Gliederung der Wehrmacht und NS-Organisationen
Was ist ein Bann, wie groß war eine Staffel, und warum hieß ein Bataillon bei der SS bis 1940 Sturmbann? 64 Gliederungsebenen von Heer, Luftwaffe, Kriegsmarine, Waffen-SS, SA, NSDAP, Hitlerjugend und Reichsarbeitsdienst, jeweils mit Führung, ungefährer Stärke und Einordnung.
Von Dr. Christian Hardinghaus, Historiker · Stand: September 2026
Gleiche Wörter, verschiedene Größen
Eine „Gruppe“ waren im Heer zehn Mann, in der Luftwaffe drei Staffeln mit rund 35 Flugzeugen und in der SA ein Großverband mit Zehntausenden Mitgliedern. Wer Feldpostbriefe, Soldbücher oder Erinnerungen liest, muss deshalb immer wissen, welche Organisation gemeint ist.
Das Lexikon zeigt die Gliederung jeder Organisation von der kleinsten Einheit bis zur Spitze. Die Stärken sind Sollwerte oder Richtwerte. Im Krieg lagen die tatsächlichen Stärken oft weit darunter; eine Division konnte 1944 nach schweren Kämpfen nur noch die Kampfkraft eines Regiments haben.
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Wehrmacht – Heer
Das Heer war die mit Abstand größte Teilstreitkraft. Von 1939 bis 1945 dienten rund 13 Millionen Männer in ihm. Nach den Berechnungen von Rüdiger Overmans fielen oder starben etwa 4,2 Millionen Heeresangehörige, die meisten an der Ostfront; für die gesamte Wehrmacht sind es rund 5,3 Millionen. Die Gliederung reichte von der Gruppe bis zur Heeresgruppe. Die Zahlen unten sind Sollstärken der Infanterie um 1939; im Krieg lagen die tatsächlichen Stärken oft weit darunter.
GruppeFührung: Unteroffizier als Gruppenführer9–10 Mann
Kleinste Einheit der Infanterie: ein Gruppenführer, ein Maschinengewehrtrupp mit dem MG 34, später MG 42, und die Schützen. 1943 sank die Sollstärke auf neun Mann.
ZugFührung: Leutnant oder Feldwebelum 40–50 Mann
Drei, anfangs vier Gruppen und ein Zugtrupp. Weil Offiziere fehlten, führten im Krieg oft Feldwebel oder Oberfeldwebel einen Zug.
KompanieFührung: Hauptmann oder Oberleutnant (Kompaniechef)um 180–190 Mann (Soll)
Drei Schützenzüge, ein Kompanietrupp und der Tross. Bei Artillerie und Kavallerie hieß die entsprechende Einheit Batterie beziehungsweise Schwadron. Die Kompanie war für den einzelnen Soldaten der wichtigste Bezugspunkt.
BataillonFührung: Major oder Oberstleutnant (Kommandeur)um 800–900 Mann (Soll)
Drei Schützenkompanien, eine schwere Kompanie mit Maschinengewehren und Granatwerfern sowie der Stab. In Artillerie, Aufklärung, Pionier- und Nachrichtentruppe hieß die gleiche Ebene Abteilung.
RegimentFührung: Oberst (Kommandeur)um 3.000 Mann (Soll)
Drei Bataillone, dazu die 13. Kompanie mit Infanteriegeschützen und die 14. Kompanie als Panzerjäger. Ab 1942 hießen die Infanterie-Regimenter Grenadier-Regimenter. Viele Divisionen hatten ab 1943/44 nur noch zwei Bataillone pro Regiment.
BrigadeFührung: Oberst oder Generalmajorstark schwankend
Im Heer keine feste Gliederungsebene. Unter dem Namen Brigade liefen sehr unterschiedliche Verbände: Sturmgeschütz-Brigaden in Bataillonsstärke, die Kavallerie-Brigade von 1939 oder die kurzlebigen Panzer-Brigaden vom Herbst 1944.
DivisionFührung: Generalmajor oder GeneralleutnantInfanterie-Division 1939: rund 17.700 Mann
Drei Infanterie-Regimenter, ein Artillerie-Regiment sowie Aufklärungs-, Panzerjäger-, Pionier- und Nachrichteneinheiten und eigene Versorgungstruppen. Die Division war der kleinste Verband, der längere Zeit selbstständig kämpfen konnte. Panzerdivisionen waren kleiner, hatten aber mehr Feuerkraft. Das Heer stellte im Krieg über 300 Divisionen auf.
ArmeekorpsFührung: General der Infanterie, Artillerie, Panzertruppe usw.2–5 Divisionen
Führungsebene zwischen Division und Armee mit eigenen Korpstruppen wie Artillerie und Nachrichteneinheiten. Die Dienstgradbezeichnung des Kommandierenden Generals nannte seine Herkunftswaffe, etwa „General der Panzertruppe“.
ArmeeFührung: Generaloberst oder Generalmehrere Korps, oft 100.000–300.000 Mann
Großverband für einen ganzen Frontabschnitt, im Osten ab 1941 mit einem eigenen rückwärtigen Armeegebiet, in dem die Armee auch die Besatzungsherrschaft ausübte. Die 6. Armee unterstützte im September 1941 das Massaker von Babyn Jar logistisch und ging im Februar 1943 in Stalingrad unter. Panzerverbände dieser Größe hießen Panzergruppe, ab 1942 Panzerarmee.
HeeresgruppeFührung: Generalfeldmarschall oder Generaloberstmehrere Armeen, bis über 1 Million Mann
Höchste Führungsebene im Feld. Beim Überfall auf die Sowjetunion 1941 griffen die Heeresgruppen Nord, Mitte und Süd an. Die Heeresgruppen unterstanden dem OKH, auf den übrigen Kriegsschauplätzen ab 1942 dem OKW.
Wehrmacht – Luftwaffe
Die fliegenden Verbände der Luftwaffe hatten eine eigene Gliederung mit Begriffen wie Staffel und Geschwader. Flakartillerie und Bodenorganisation waren davon getrennt nach Batterien, Abteilungen, Regimentern und Luftgauen gegliedert. Die Stärken sind Sollwerte für Jagdverbände.
RotteFührung: Rottenführer mit Rottenflieger (Katschmarek)2 Flugzeuge
Kleinste taktische Einheit der Jagdflieger: Der Rottenführer griff an, sein Rottenflieger deckte ihn.
SchwarmFührung: Schwarmführer4 Flugzeuge (2 Rotten)
Zwei Rotten in lockerer, gestaffelter Formation. Deutsche Jagdflieger entwickelten sie im Spanischen Bürgerkrieg bei der Legion Condor; später übernahmen Royal Air Force und US-Luftwaffe das Prinzip als „Finger Four“.
StaffelFührung: Staffelkapitän, meist Oberleutnant oder Hauptmann9–12 Flugzeuge
Grundeinheit der fliegenden Verbände mit eigenem Bodenpersonal, vergleichbar einer Kompanie. Staffeln wurden durchgezählt, etwa 9./JG 52 für die 9. Staffel des Jagdgeschwaders 52.
GruppeFührung: Gruppenkommandeur, meist Major oder Hauptmann3, später 4 Staffeln, um 30–40 Flugzeuge
Selbstständig einsetzbarer Verband mit Stab, vergleichbar einem Bataillon. Gruppen wurden mit römischen Ziffern bezeichnet, etwa III./JG 52, und lagen oft weit getrennt vom Rest ihres Geschwaders.
GeschwaderFührung: Geschwaderkommodore, meist Oberst oder Oberstleutnant3–4 Gruppen, um 100–120 Flugzeuge
Größter fliegender Verband, benannt nach dem Einsatzzweck: Jagd-, Kampf-, Sturzkampf-, Zerstörer- oder Nachtjagdgeschwader (JG, KG, StG, ZG, NJG). Das Jagdgeschwader 52 war mit über 10.000 gemeldeten Abschüssen das erfolgreichste.
Fliegerkorps und FliegerdivisionFührung: General der Flieger oder Generalleutnantmehrere Geschwader
Operative Führungsstäbe, die Geschwader verschiedener Art für eine Aufgabe zusammenfassten, etwa zur Unterstützung einer Heeresgruppe. Die Zusammensetzung wechselte häufig.
LuftflotteFührung: Generaloberst oder Generalfeldmarschallmehrere Fliegerkorps und Luftgaue
Höchste Führungsebene der Luftwaffe im Feld, jeweils für einen großen Raum zuständig. Ihr unterstanden die fliegenden Verbände und über die Luftgaue auch Flak und Bodenorganisation. Die Luftflotte 2 führte 1940 unter Albert Kesselring die Luftschlacht um England mit.
Wehrmacht – Kriegsmarine
Die Kriegsmarine gliederte sich nicht wie das Heer in feste Stufen, sondern nach Schiffstypen und Seegebieten. Neben U-Booten und Überwasserschiffen gehörten Marineartillerie, Küstenverteidigung und im Krieg auch Marine-Infanteriedivisionen dazu.
Einzelschiff und BootFührung: Kommandant, vom Oberleutnant zur See bis zum Kapitän zur Seevon rund 50 Mann (U-Boot) bis über 2.000 (Schlachtschiff)
Grundeinheit der Marine. Ein U-Boot vom Typ VII C hatte etwa 44 bis 52 Mann Besatzung und einen Oberleutnant oder Kapitänleutnant als Kommandanten, die „Bismarck“ über 2.000 Mann unter einem Kapitän zur See.
U-Boot-Gruppe („Rudel“)Führung: geführt vom Befehlshaber der U-Boote per Funkwenige bis über 20 Boote
Keine feste Einheit, sondern eine für eine Operation gebildete Gruppe mit Tarnnamen wie „Leuthen“ oder „Raubgraf“. Die Boote bildeten Suchstreifen und griffen einen gesichteten Geleitzug gemeinsam an. Umgangssprachlich hieß das „Rudeltaktik“.
FlottilleFührung: Flottillenchef, meist Korvettenkapitän bis Kapitän zur Seemeist 4–12 Schiffe, U-Flottillen auch mehr
Zusammenfassung gleichartiger Schiffe: Zerstörer, Torpedoboote, Schnellboote, Minensucher oder U-Boote. U-Boot-Flottillen wie die 7. in St-Nazaire waren vor allem Heimat-, Ausbildungs- und Versorgungsverbände; im Einsatz führte der BdU die Boote direkt.
Führer einer WaffengattungFührung: Kommodore, Konteradmiral oder Vizeadmiralmehrere Flottillen
Die Flottillen gleicher Art unterstanden eigenen Führungsstäben: dem Führer der Zerstörer, dem Führer der Schnellboote, dem Befehlshaber der U-Boote oder, bei den Minensuchern, den Sicherungsdivisionen. Die Bezeichnung Geschwader war in der Kriegsmarine kaum gebräuchlich.
Flotte und MarinegruppenkommandoFührung: Flottenchef (Admiral) beziehungsweise Oberbefehlshaber der MarinegruppeGroßkampfschiffe und Kreuzer; Seegebiete
Der Flottenchef führte die großen Überwasserschiffe; Günther Lütjens ging im Mai 1941 mit der „Bismarck“ unter. Die Marinegruppenkommandos Ost, West, später auch Nord und Süd, waren für die Seekriegführung in ihren Seegebieten zuständig. Nach dem Silvestergefecht 1942 wollte Hitler die großen Schiffe außer Dienst stellen; Raeder trat im Januar 1943 zurück.
Oberkommando der Kriegsmarine (OKM)Führung: Oberbefehlshaber: Großadmiral Erich Raeder bis 1943, dann Karl Dönitzgesamte Kriegsmarine
Oberste Kommandobehörde der Marine in Berlin mit der Seekriegsleitung als operativem Stab. Hier fielen die Entscheidungen über Bauprogramme, Operationen und den Schwerpunkt auf dem U-Boot-Krieg.
Waffen-SS
Die Waffen-SS war die bewaffnete Truppe der SS. Bis 1940/41 benutzte sie die Einheitsnamen der Allgemeinen SS wie Sturm, Sturmbann und Standarte; danach übernahm sie die Gliederung des Heeres mit Kompanie, Bataillon und Regiment. Nur die Dienstgrade blieben SS-eigen. Verbände der Waffen-SS verübten zahlreiche Kriegsverbrechen und waren am Holocaust beteiligt.
GruppeFührung: SS-Unterscharführer oder SS-Rottenführer9–10 Mann
Wie beim Heer die kleinste Einheit. Rottenführer war in der Waffen-SS ein Dienstgrad, vergleichbar dem Obergefreiten, keine Einheitsbezeichnung.
ZugFührung: SS-Untersturmführer oder SS-Oberscharführerum 40–50 Mann
Drei Gruppen und ein Zugtrupp, wie beim Heer.
KompanieFührung: SS-Obersturmführer oder SS-Hauptsturmführerum 150–200 Mann
Bis 1940 als „Sturm“ bezeichnet. Artillerie-Einheiten hießen Batterie.
BataillonFührung: SS-Sturmbannführerum 800–1.000 Mann
Bis 1940 als „Sturmbann“ bezeichnet; bei Artillerie, Aufklärung und Pionieren Abteilung.
RegimentFührung: SS-Obersturmbannführer oder SS-Standartenführerum 3.000 Mann
Bis Anfang 1941 als „Standarte“ bezeichnet, etwa die Standarten „Deutschland“, „Germania“ und „Der Führer“ der SS-Verfügungstruppe.
BrigadeFührung: SS-Oberführer oder SS-Brigadeführerstark schwankend
Oft Vorstufe einer Division oder Verband für Sonderaufgaben. Die SS-Kavallerie-Brigade und die 1. SS-Infanterie-Brigade ermordeten 1941 im Hinterland der Ostfront Zehntausende Juden.
DivisionFührung: SS-Brigadeführer oder SS-Gruppenführer10.000–20.000 Mann
Bis 1945 wurden 38 Divisionen aufgestellt, von den Panzerdivisionen „Leibstandarte“, „Das Reich“ und „Totenkopf“ bis zu Verbänden aus ausländischen Freiwilligen und Zwangsrekrutierten, die teils nie Divisionsstärke erreichten.
KorpsFührung: SS-Obergruppenführer2–3 Divisionen
Die SS-Panzerkorps kämpften unter anderem 1943 bei Charkow und Kursk sowie 1944 in der Normandie.
ArmeeFührung: SS-Oberst-Gruppenführermehrere Korps
Die 6. Panzerarmee unter Sepp Dietrich führte Ende 1944 die Ardennenoffensive, 1945 die Offensive in Ungarn. Der Zusatz „SS“ im Namen setzte sich erst gegen Kriegsende durch. 1945 bestand außerdem kurz die 11. SS-Panzerarmee unter Felix Steiner.
Sturm, Sturmbann, StandarteFührung: bis 1940/41Kompanie, Bataillon, Regiment
Die frühen Einheitsnamen der SS-Verfügungstruppe entsprachen denen der Allgemeinen SS und der SA. Wer in Dokumenten auf „SS-Standarte“ stößt, muss deshalb prüfen, ob die Allgemeine SS oder die Truppe vor 1941 gemeint ist.
Sturmabteilung (SA)
Die SA war die Kampforganisation der NSDAP. Ihre Einheitsnamen übernahmen später Allgemeine SS, NSKK und NSFK. Nach der Mordaktion vom Sommer 1934 verlor die SA ihre Macht, blieb aber als Massenorganisation für Wehrsport, Aufmärsche und im Krieg für Hilfsdienste bestehen. Die Stärken schwankten stark; die Angaben sind Richtwerte.
ScharFührung: SA-Scharführer4–12 Mann
Kleinste Einheit der SA.
TruppFührung: SA-Truppführer3–4 Scharen
Zusammenfassung mehrerer Scharen, oft der Männer eines Dorfes oder Stadtviertels.
SturmFührung: SA-Sturmführer bis SA-Hauptsturmführer3–4 Trupps, etwa 70–150 Mann
Die wichtigste Einheit im Alltag der SA, mit Sturmlokal als Treffpunkt. In den frühen 1930er Jahren gingen von hier Saalschlachten und Überfälle auf politische Gegner aus.
SturmbannFührung: SA-Sturmbannführer3–5 Stürme, etwa 250–600 Mann
Verband mehrerer Stürme, meist für einen Stadtteil oder Landkreis.
StandarteFührung: SA-Standartenführer3–5 Sturmbanne, etwa 1.000–3.000 Mann
Nummerierter Verband mit eigener Fahne, meist für eine Stadt oder Region, dazu Sonderstandarten wie die „Feldherrnhalle“.
BrigadeFührung: SA-Brigadeführermehrere Standarten
Mittelinstanz zwischen Standarte und Gruppe, anfangs „Untergruppe“ genannt.
GruppeFührung: SA-Gruppenführer oder SA-Obergruppenführermehrere Brigaden
Regionale Großverbände wie die SA-Gruppe Berlin-Brandenburg, deren Führer Karl Ernst am 30. Juni 1934 ermordet wurde.
ObergruppeFührung: SA-Obergruppenführermehrere Gruppen
Zusammenfassung mehrerer Gruppen in den Jahren bis 1934/36, danach aufgegeben.
Oberste SA-FührungFührung: Stabschef der SA; Oberster SA-Führer war Hitler selbstgesamte SA
Zentrale in München. Stabschefs waren Ernst Röhm (1931–1934), Viktor Lutze (1934–1943) und Wilhelm Schepmann (1943–1945).
NSDAP – Parteigliederung
Die NSDAP legte ein Netz über das ganze Land, das bis in einzelne Wohnhäuser reichte. Die unteren Ebenen waren nicht nach Mitgliedern, sondern nach Haushalten abgegrenzt; die Funktionäre betreuten also auch Menschen, die gar nicht in der Partei waren.
BlockFührung: Blockleiter („Blockwart“)40–60 Haushalte
Der Blockleiter kannte seine Nachbarn, kassierte Beiträge und Spenden, verteilte Propaganda und meldete „Unzuverlässige“. Für viele Menschen war er das Gesicht der Partei.
ZelleFührung: Zellenleiter4–8 Blöcke
Mehrere Blöcke eines Straßenzugs oder Ortsteils.
OrtsgruppeFührung: Ortsgruppenleiterbis etwa 1.500 Haushalte, in Städten auch mehr
Lokale Parteigliederung mit Geschäftsstelle, in Dörfern oft für mehrere Gemeinden zugleich. Hier liefen Versammlungen, Sammlungen und politische Beurteilungen zusammen.
KreisFührung: Kreisleitermeist ein Land- oder Stadtkreis
Der Kreisleiter führte die Ortsgruppen und gab politische Beurteilungen über Beamte, Lehrer und Antragsteller ab.
GauFührung: Gauleitereine Region, zuletzt über 40 Gaue
Die Gauleiter unterstanden Hitler persönlich und waren oft zugleich Reichsstatthalter oder Oberpräsidenten, ab 1942 auch Reichsverteidigungskommissare.
ReichsleitungFührung: Hitler als „Führer“, darunter die Reichsleitergesamte Partei
Oberste Parteiebene mit Sitz im „Braunen Haus“ in München. Die Reichsleiter führten einzelne Ressorts wie Organisation, Propaganda oder Presse. Die eigentliche Steuerung lag beim Stab des Stellvertreters des Führers, ab 1941 bei der Parteikanzlei unter Martin Bormann.
Hitlerjugend (HJ)
Die Hitlerjugend umfasste Jungen von 10 bis 18 Jahren. Die Zehn- bis 14-Jährigen gehörten zum Deutschen Jungvolk mit eigenen Einheitsnamen, die Mädchen zu Jungmädelbund und BDM. Die folgenden Ebenen gelten für die HJ im engeren Sinn, die 14- bis 18-Jährigen. Die Stärken sind Richtwerte.
KameradschaftFührung: Kameradschaftsführeretwa 10–15 Jungen
Kleinste Einheit, in der Heimabende, Sport und Geländespiele stattfanden.
ScharFührung: Scharführer3 Kameradschaften, etwa 40–50 Jungen
Zusammenfassung mehrerer Kameradschaften.
GefolgschaftFührung: Gefolgschaftsführer3 Scharen, etwa 150 Jungen
Grundeinheit der örtlichen HJ, oft für eine größere Gemeinde oder ein Stadtviertel.
UnterbannFührung: Unterbannführer4 Gefolgschaften, etwa 600 Jungen
Zwischenebene zwischen Gefolgschaft und Bann.
BannFührung: Bannführer4–6 Unterbanne, etwa 3.000 Jungen
Nummerierte Einheit, meist für einen Kreis. Die Banne organisierten auch die Erfassung der Jahrgänge für den Kriegseinsatz.
GebietFührung: Gebietsführermehrere Banne
Regionale Führung, räumlich meist an einen Parteigau angelehnt.
ObergebietFührung: Obergebietsführermehrere Gebiete
Überregionale Zusammenfassung mehrerer Gebiete.
ReichsjugendführungFührung: Reichsjugendführer Baldur von Schirach (bis 1940), dann Artur AxmannHJ und BDM, Ende 1939 rund 8,7 Millionen
Oberste Dienststelle in Berlin, ab 1936 Oberste Reichsbehörde. Den BDM führten Reichsreferentinnen, erst Trude Mohr, ab 1937 Jutta Rüdiger.
Jungvolk und BDM im VergleichFührung: eigene Einheitsnamenparallel zur HJ
Im Deutschen Jungvolk hießen die Ebenen Jungenschaft, Jungzug, Fähnlein, Stamm und Jungbann. Beim BDM entsprachen Mädelschaft, Mädelschar, Mädelgruppe, Mädelring, Untergau und Obergau den Ebenen der HJ.
Reichsarbeitsdienst (RAD)
Der Reichsarbeitsdienst war ab 1935 für junge Männer Pflicht, meist sechs Monate vor dem Wehrdienst, ab 1939 auch für junge Frauen. Er war militärisch gegliedert, mit eigenen Dienstgraden vom Arbeitsmann bis zum Reichsarbeitsführer. Die Stärken sind Richtwerte für den männlichen RAD.
TruppFührung: Truppführeretwa 15–20 Arbeitsmänner
Kleinste Einheit, die gemeinsam arbeitete und im Lager eine Stube teilte.
ZugFührung: Obertruppführer oder Unterfeldmeistermehrere Trupps, etwa 50 Mann
Unterteilung der Abteilung.
AbteilungFührung: Oberfeldmeister oder Oberstfeldmeisteretwa 200 Arbeitsmänner
Grundeinheit des RAD, untergebracht in einem eigenen Lager, vergleichbar einer Kompanie. Die Abteilungen trugen Nummern und oft Namen.
GruppeFührung: Arbeitsführer oder Oberarbeitsführeretwa 6–8 Abteilungen
Zusammenfassung der Abteilungen einer Region, vergleichbar einem Regiment.
ArbeitsgauFührung: Generalarbeitsführermehrere Gruppen
Regionale Führung, 1939 gab es rund 40 Arbeitsgaue.
Reichsleitung des RADFührung: Reichsarbeitsführer Konstantin Hierlgesamter RAD
Oberste Dienststelle in Berlin, bis 1943 dem Reichsministerium des Innern zugeordnet, danach als Oberste Reichsbehörde direkt Hitler unterstellt.
RAD der weiblichen Jugend (RADwJ)Führung: Lagerführerin; darüber BezirkeLager mit etwa 40–50 „Arbeitsmaiden“
Die jungen Frauen lebten in Lagern und halfen in Bauernfamilien und Haushalten, im Krieg zunehmend in Rüstungsbetrieben, bei der Post und in der Flak. Der Dienst wurde im Krieg durch den Kriegshilfsdienst verlängert.
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Häufige Fragen zur Gliederung der Wehrmacht
Wie war das Heer gegliedert?
Von unten nach oben: Gruppe, Zug, Kompanie, Bataillon, Regiment, Division, Armeekorps, Armee und Heeresgruppe. Bei Artillerie und Kavallerie hießen Kompanie und Bataillon Batterie und Abteilung beziehungsweise Schwadron und Abteilung.
Wie viele Soldaten hatte eine Division?
Eine Infanterie-Division hatte 1939 eine Sollstärke von rund 17.700 Mann. Ab 1943/44 wurden die Divisionen verkleinert, auf dem Papier auf etwa 12.000 Mann; tatsächlich waren viele Divisionen an der Front deutlich schwächer.
Was ist der Unterschied zwischen Staffel, Gruppe und Geschwader?
Das sind die Ebenen der fliegenden Verbände der Luftwaffe. Eine Staffel hatte 9 bis 12 Flugzeuge, eine Gruppe drei bis vier Staffeln, ein Geschwader drei bis vier Gruppen. In Bezeichnungen wie „III./JG 52“ steht die römische Ziffer für die Gruppe, eine arabische Ziffer wie in „9./JG 52“ für die Staffel.
War die Waffen-SS wie das Heer gegliedert?
Ab 1940/41 ja. Vorher benutzte die SS-Verfügungstruppe die Begriffe der Allgemeinen SS: Sturm, Sturmbann und Standarte. Die Dienstgrade blieben bis Kriegsende SS-eigen, etwa SS-Hauptsturmführer statt Hauptmann.
Waren SA, HJ und RAD militärische Verbände?
Nein. Sie gehörten nicht zur Wehrmacht, waren aber militärisch aufgebaut und bereiteten auf den Wehrdienst vor. Gegen Kriegsende wurden Hitlerjungen, RAD-Männer und SA-Angehörige in der Flak, im Volkssturm und in Kampfeinheiten eingesetzt.
Wie finde ich heraus, in welcher Einheit ein Angehöriger war?
Hinweise geben Feldpostnummern, Soldbuch und Wehrpass. Personalunterlagen der Wehrmacht verwahrt das Bundesarchiv, einschließlich der früheren Deutschen Dienststelle (WASt).
Quellen und Korrekturen
Grundlage sind die Gliederungs- und Stärkenachweisungen der Wehrmacht, das Organisationsbuch der NSDAP und die Forschung, u. a. Georg Tessin: Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS 1939–1945 (Standardwerk in mehreren Bänden), Rüdiger Overmans: Deutsche militärische Verluste im Zweiten Weltkrieg (1999), sowie Burkhart Müller-Hillebrand: Das Heer 1933–1945.
Hinweise mit Beleg nehme ich gern über die Kontaktseite entgegen.
Die vier Lexika zum Zweiten Weltkrieg
„Kampf & Ketten“ erklärt Verbände und Hierarchien. Die anderen Lexika helfen bei Rängen, Uniformfarben und Behörden.

