Aufbau des NS-Staates: Organisationen und Befehlsstrukturen
Wer war wem unterstellt, wer gab die Befehle und wer führte sie aus? 100 Einträge erklären Ministerien, Parteiämter, SS- und Polizeibehörden und die Kommandostellen der Wehrmacht zwischen 1933 und 1945: was sie taten, wer sie leitete und woran sie beteiligt waren.
Keine Pyramide, sondern ein Geflecht
Der NS-Staat hatte keine saubere Befehlskette. Die alten Ministerien bestanden weiter, daneben wuchsen Parteiämter, der Apparat von SS und Polizei und Sonderbehörden wie der Vierjahresplan. Viele Zuständigkeiten überschnitten sich, oft mit Absicht: Wer mit anderen konkurrierte, blieb auf Hitlers Entscheidung angewiesen. Historiker sprechen deshalb von „Polykratie“.
Das Lexikon ordnet jede Stelle einem von vier Machtbereichen zu. Sie können nach Kürzel, Namen oder Stichwort suchen, etwa „Wannsee“, „Zwangsarbeit“ oder „Feldpost“.
- Staat & Verwaltung21 Einträge · Ministerien, Behörden, Gerichte
- NSDAP & Gliederungen18 Einträge · Parteiämter und Verbände
- SS & Polizei24 Einträge · Hauptämter, Polizei, Lager
- Wehrmacht37 Einträge · Kommandos, Ämter, Dienste
Organisationen durchsuchen
Einträge von A bis Z
Zentrale Behörde für Außenpolitik und diplomatische Beziehungen des NS-Staates.
Eintrag öffnen: AA
Das Auswärtige Amt blieb als diplomatische Institution in seiner Struktur weitgehend traditionell, wurde jedoch ab 1938 stark von der NSDAP und der SS durchdrungen. Es koordinierte Außenpolitik, Verhandlungen und diplomatische Missionen in besetzten Gebieten.
Auftrag & Aufgaben
- Vertretung des Deutschen Reichs im Ausland
- Unterstützung der politischen, wirtschaftlichen und militärischen Ziele des Regimes
- Koordination mit Besatzungsverwaltungen und Propagandaeinrichtungen
Leitung & Organisation
- 1932–1938: Konstantin von Neurath
- 1938–1945: Joachim von Ribbentrop
Die „Abteilung Deutschland“, ab 1943 die Gruppe Inland II, hielt die Verbindung zu SS und RSHA.
Kontext: Beteiligung am Holocaust
Unterstaatssekretär Martin Luther nahm im Januar 1942 an der Wannsee-Konferenz teil. Diplomaten drängten verbündete und besetzte Staaten, ihre jüdischen Bürger auszuliefern, und berichteten über Deportationen. Ribbentrop wurde 1946 in Nürnberg zum Tode verurteilt und hingerichtet.
Quellen und Literatur: Politisches Archiv des Auswärtigen Amts; Eckart Conze, Norbert Frei, Peter Hayes, Moshe Zimmermann: „Das Amt und die Vergangenheit“ (2010).
Militärischer Nachrichtendienst für Spionage, Abwehr, Sabotageabwehr und Aufklärung.
Eintrag öffnen: Abwehr
Die Abwehr war der militärische Nachrichtendienst des OKW für Spionage, Spionageabwehr, Sabotageabwehr und operative Aufklärung. Sie arbeitete weltweit mit Auslandsstellen und Fronttruppen zusammen.
Auftrag & Aufgaben
- Auslandsaufklärung (militärisch, politisch, wirtschaftlich)
- Spionageabwehr & Sicherung
- Sabotageabwehr, Sonderunternehmen, Zusammenarbeit mit Truppe
Unterstellung & Organisation
Bestandteil des OKW; gegliedert u. a. in Abteilungen I (Spionage), II (Sabotage/Sonderunternehmen), III (Abwehr/Spionageabwehr) sowie regionale Abwehrstellen.
Leitende Personen
- 1935–1944: Admiral Wilhelm Canaris; nach dem 20. Juli 1944 verhaftet, im April 1945 im KZ Flossenbürg ermordet
- Hans Oster, Leiter der Zentralabteilung, war eine Schlüsselfigur des Widerstands
Kontext: Rivalität, Widerstand und Auflösung
Die Abwehr konkurrierte mit dem SD des RSHA. In ihrer Zentrale fanden Oppositionelle wie Oster und Hans von Dohnanyi Deckung. Im Februar 1944 wurde Canaris abgesetzt, die Abwehr als „Amt Mil“ dem RSHA eingegliedert.
Quellen und Literatur: OKW-/Abwehrakten, Auslandsberichte, Prozess- und Memoirenliteratur (u. a. Canaris-Umfeld), Forschung zu Nachrichtendiensten.
1935 von Himmler mitgegründete SS-Forschungseinrichtung, die die NS-Rassenideologie pseudowissenschaftlich untermauern sollte.
Eintrag öffnen: Ahnenerbe
Das Ahnenerbe wurde am 1. Juli 1935 von Heinrich Himmler, Richard Walther Darré und Herman Wirth als „Studiengesellschaft für Geistesurgeschichte“ gegründet. Es betrieb Forschungen zur „germanischen“ Vor- und Frühgeschichte, um die Rassenideologie wissenschaftlich zu verbrämen.
Auftrag & Aufgaben
- Forschung zu „germanischer“ Kultur-, Rassen- und Vorgeschichte
- Durchführung von Expeditionen zur Untermauerung ideologischer Thesen
- Zunehmende Einbindung in medizinische und pseudowissenschaftliche Versuchsreihen
Unterstellung & Organisation
Ab 1937 hieß es „Forschungs- und Lehrgemeinschaft Das Ahnenerbe“. 1942 wurde es dem Persönlichen Stab des Reichsführers-SS angegliedert. Zuletzt gehörten zahlreiche Forschungs- und Lehrstätten dazu.
Führende Personen
- Herman Wirth – erster Präsident bis 1937
- Walther Wüst – Präsident ab 1937
- Wolfram Sievers – Reichsgeschäftsführer
Bekannte Aktivitäten
- Tibet-Expedition 1938/39 unter Ernst Schäfer
- Medizinische Versuchsreihen in Konzentrationslagern im Auftrag einzelner Ahnenerbe-Institute
Kontext: Medizinische Verbrechen
Das Institut für wehrwissenschaftliche Zweckforschung des Ahnenerbes finanzierte Sigmund Raschers Unterdruck- und Unterkühlungsversuche im KZ Dachau. Für die Skelettsammlung des Straßburger Anatomen August Hirt wurden 1943 im KZ Natzweiler-Struthof 86 jüdische Häftlinge aus Auschwitz ermordet. Sievers wurde im Nürnberger Ärzteprozess 1947 zum Tode verurteilt und 1948 hingerichtet.
Quellen und Literatur: Prozessakten des Nürnberger Ärzteprozesses, Forschungsliteratur (u. a. Michael H. Kater, „Das Ahnenerbe der SS“).
Mädchenorganisation der NSDAP zur ideologischen, körperlichen und häuslichen Erziehung junger Frauen.
Eintrag öffnen: BDM
Der Bund Deutscher Mädel (BDM) war die Mädchenorganisation der Hitlerjugend für 14- bis 18-Jährige; die Zehn- bis 14-Jährigen gehörten zum Jungmädelbund. Ab 1938 kam für 17- bis 21-Jährige das BDM-Werk „Glaube und Schönheit“ hinzu.
Auftrag & Aufgaben
- Erziehung zur Pflichterfüllung und Gemeinschaftstreue
- Körperliche Ertüchtigung und häusliche Ausbildung
- Einsatz im Krieg in Lazaretten, Kindergärten und als Landhelferinnen
Leitung & Organisation
- 1934–1937: Trude Mohr – erste Reichsreferentin des BDM
- 1937–1945: Jutta Rüdiger
Kontext: Weiblichkeitsideale & Pflichtdienst
Der BDM vermittelte ein traditionelles Frauenbild, das körperliche Fitness, Treue und Mutterschaft idealisierte. Während des Krieges wurden viele Mitglieder in den Kriegshilfsdienst eingegliedert. Nach 1945 galt der Verband als Teil der NS-Massenindoktrination.
Quellen und Literatur: BDM-Schriften, Berichte, Fotografien, Forschung von Frevert, Koonz, Rupp.
Führungsebene der uniformierten Ordnungspolizei; Koordination von Schutzpolizei, Gendarmerie und Polizei-Bataillonen.
Eintrag öffnen: BdO
Der BdO verantwortete die uniformierten Polizeikräfte eines Bereichs, häufig in enger Abstimmung mit HSSPF und BdS.
Regionale Führungsdienststelle der SiPo und des SD in besetzten Gebieten; operative Leitung von Gestapo, Kripo und SD.
Eintrag öffnen: BdS
Der BdS führte die regionale Sicherheitspolizei und den SD, oft dem HSSPF unterstellt. Er war Schaltstelle von Überwachung, Verfolgung und Nachrichtendienst.
Aufgaben
- Leitung von Gestapo (Amt IV) und Kripo (Amt V) vor Ort
- SD-Lageberichte, Spionageabwehr, Repressionsmaßnahmen
Zentrale Kommandostelle der deutschen U-Boot-Waffe zur operativen Leitung und Koordination des U-Boot-Kriegs.
Eintrag öffnen: BdU
Der Befehlshaber der U-Boote (BdU) führte die deutschen U-Boote im Einsatz. In seinem Stab liefen die Funkmeldungen der Kommandanten aus allen Seegebieten zusammen; von hier aus wurden die Boote auf Geleitzüge angesetzt.
Auftrag & Aufgaben
- Operative Führung der U-Boote im Atlantik und in den übrigen Seegebieten
- Ansatz der Boote auf Geleitzüge per Funk („Rudeltaktik“)
- Ausbildung der Besatzungen und Auswertung der Einsatzerfahrungen
Unterstellung & Organisation
Der BdU unterstand dem Oberbefehlshaber der Kriegsmarine und der Seekriegsleitung im OKM. Die Operationsabteilung („BdU Op“) steuerte die Boote über Funk.
Der Stab saß nacheinander in Wilhelmshaven, Paris, Kernével bei Lorient (1940–1942), wieder Paris und ab 1943 in Berlin und Bernau („Koralle“).
Führende Personen
- 1936–1939: Karl Dönitz als „Führer der U-Boote“, ab Oktober 1939 als BdU
- 1943–1945: Dönitz behält als Oberbefehlshaber der Kriegsmarine den Titel BdU; die laufende Führung übernimmt Konteradmiral Eberhard Godt als Chef der Operationsabteilung
Wichtige Stützpunkte
- Kiel und Wilhelmshaven – Heimat- und Ausbildungshäfen
- Brest, Lorient, St-Nazaire, La Rochelle-La Pallice, Bordeaux – Atlantikstützpunkte ab 1940, mit Bunkeranlagen der Organisation Todt
Kontext: Laconia-Befehl und Nürnberger Urteil
Nach der Versenkung des Truppentransporters „Laconia“ untersagte Dönitz im September 1942 jede Rettung Schiffbrüchiger. Der Internationale Militärgerichtshof verurteilte Dönitz 1946 zu zehn Jahren Haft, wegen Verbrechen gegen den Frieden und Kriegsverbrechen. Den U-Boot-Krieg selbst ließ das Gericht bei der Strafzumessung außer Betracht, weil auch die US-Marine im Pazifik uneingeschränkten U-Boot-Krieg geführt hatte.
Quellen und Literatur: Kriegstagebuch des BdU, Nürnberger Prozessakten; Forschung u. a. von Clay Blair, Jürgen Rohwer, Michael Salewski.
Leitung der Nachrichtenverbindungen von Heer und Wehrmacht: Funk, Fernmeldenetze und Funkaufklärung.
Eintrag öffnen: Chef HNW
Der Chef des Heeresnachrichtenwesens war im OKH für alle Fernmelde- und Funkverbindungen des Heeres verantwortlich, ab 1940 in Personalunion auch für die Wehrmacht.
Aufgaben
- Betrieb der Führungsnetze zwischen Hauptquartieren und Fronttruppe
- Funkaufklärung und Horchdienst gegen gegnerische Verbände
- Schlüssel- und Verschlüsselungswesen des Heeres (Enigma)
Leitung
- 1938–1944: General Erich Fellgiebel; beteiligt am Umsturzversuch vom 20. Juli 1944, sollte die Nachrichtenverbindungen der Wolfsschanze unterbrechen; im September 1944 hingerichtet
Organisation und Steuerung der Eisenbahn-, Kraftfahr- und Marschbewegungen des Heeres.
Eintrag öffnen: Chef Trspw
Der Chef des Transportwesens im Generalstab des Heeres, General Rudolf Gercke, steuerte Truppen- und Nachschubtransporte auf der Schiene und auf Wasserwegen, zuständig auch für die Wehrmacht insgesamt. Er arbeitete eng mit der Reichsbahn zusammen.
Massenorganisation zur Kontrolle der Arbeiterschaft und Integration der Wirtschaft in den NS-Staat.
Eintrag öffnen: DAF
Die Deutsche Arbeitsfront (DAF) wurde am 10. Mai 1933 gegründet, acht Tage nachdem SA und SS die Häuser der freien Gewerkschaften besetzt hatten. Sie ersetzte Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände durch eine Einheitsorganisation und wurde mit über 20 Millionen Mitgliedern die größte Massenorganisation des Regimes.
Auftrag & Aufgaben
- Erfassung und Betreuung aller „Schaffenden“ anstelle der Gewerkschaften
- Betriebliche Sozialpolitik, Berufsausbildung und Propaganda in den Betrieben
- Freizeit- und Urlaubsprogramme über „Kraft durch Freude“
Löhne und Arbeitsbedingungen legten nicht die DAF, sondern staatliche Treuhänder der Arbeit fest.
Leitung & Organisation
- Robert Ley – Leiter der DAF (1933–1945)
- Unterorganisationen: Kraft durch Freude (KdF) und Schönheit der Arbeit
Kontext: Sozialpolitik & Kontrolle
Die DAF war eines der wichtigsten Instrumente zur ideologischen Durchdringung der Arbeitswelt. Sie verband soziale Maßnahmen mit Propaganda und diente der Integration der Wirtschaft in den totalitären Staat.
Quellen und Literatur: Forschung u. a. von Rüdiger Hachtmann, Ronald Smelser (Ley-Biografie), Shelley Baranowski („Strength through Joy“).
Unterorganisation der Hitlerjugend für Jungen von 10 bis 14 Jahren, Vorstufe zur eigentlichen HJ.
Eintrag öffnen: DJ
Das Deutsche Jungvolk (DJ) erfasste Jungen im Alter von 10 bis 14 Jahren als Vorstufe zur Hitlerjugend. Ab 1936 war die Mitgliedschaft faktisch verpflichtend.
Auftrag & Aufgaben
- Vormilitärische und körperliche Ertüchtigung durch Geländespiele und Lager
- Ideologische Schulung im Sinne der NS-Weltanschauung
- Vorbereitung auf die Übernahme in die eigentliche Hitlerjugend ab 14 Jahren
Unterstellung & Organisation
Das DJ war organisatorisch Teil der Hitlerjugend und gliederte sich in Jungzüge und Fähnlein, angelehnt an die HJ-Struktur.
Die Gesamtorganisation unterstand der Reichsjugendführung.
Führende Personen
- Baldur von Schirach – Reichsjugendführer, übergeordnet für HJ und DJ
- Artur Axmann – Nachfolger als Reichsjugendführer ab 1940
Kontext: Vereinnahmung von Kindern
Das Deutsche Jungvolk steht exemplarisch für die systematische ideologische Formung bereits im Kindesalter und die schrittweise Verdrängung anderer Jugendorganisationen zugunsten einer Zwangsmitgliedschaft ab 1936/1939.
Quellen und Literatur: Forschungsliteratur zur Hitlerjugend (u. a. Michael Buddrus, Arno Klönne).
Mobile Sondereinheiten von SD und Sicherheitspolizei, verantwortlich für Massenerschießungen vor allem an Juden, Roma und Kommunisten im besetzten Polen und in der Sowjetunion.
Eintrag öffnen: Einsatzgruppen
Die Einsatzgruppen waren mobile Einheiten von Sicherheitspolizei und SD. Schon im Überfall auf Polen 1939 ermordeten sie Angehörige der polnischen Führungsschicht und Juden. Ab Juni 1941 erschossen sie in der Sowjetunion systematisch die jüdische Bevölkerung, dazu Roma, Kommunisten und Psychiatriepatienten.
Auftrag & Aufgaben
- Ursprünglich „Bekämpfung“ politischer Gegner unmittelbar hinter der Front
- Ab Sommer 1941 systematische Massenerschießungen im Zuge des Vernichtungskriegs im Osten
- Zusammenarbeit mit Wehrmacht, Ordnungspolizei und lokalen Kollaborateuren
Unterstellung & Organisation
Die Einsatzgruppen unterstanden dem RSHA und waren in vier größere Verbände (Einsatzgruppen A bis D) gegliedert, die wiederum in kleinere Einsatz- und Sonderkommandos unterteilt waren.
Bekannte Führungspersonen
- Reinhard Heydrich – als Chef des RSHA verantwortlich für Aufstellung und Befehle
- Otto Ohlendorf – Führer der Einsatzgruppe D, 1948 zum Tode verurteilt, 1951 hingerichtet
- Arthur Nebe – Führer der Einsatzgruppe B
Historische Einordnung
- Allein in der Sowjetunion ermordeten die Einsatzgruppen mit Unterstützung von Polizei, Wehrmacht und einheimischen Helfern weit über eine halbe Million Menschen bis Ende 1941, insgesamt deutlich mehr als eine Million
- In Babyn Jar bei Kiew erschossen das Sonderkommando 4a und Polizeieinheiten am 29. und 30. September 1941 mehr als 33.000 Juden
Kontext: Der Holocaust durch Kugeln
Die Einsatzgruppen mordeten, bevor die Vernichtungslager in Betrieb gingen. Ihre „Ereignismeldungen UdSSR“ an das RSHA zählten die Opfer in Tabellen. Im Nürnberger Einsatzgruppenprozess (Fall 9) wurden 1948 14 Todesurteile verhängt, vier wurden vollstreckt.
Quellen und Literatur: Ereignismeldungen UdSSR, Prozessakten Fall 9; Forschung u. a. von Helmut Krausnick, Peter Klein, Andrej Angrick, Dieter Pohl.
Militärpolizeiliche Einheiten der Wehrmacht für Ordnung, Verkehr, Disziplin und Gefangenenwesen im Feld.
Eintrag öffnen: FeldGend
Die Feldgendarmerie bildete die Militärpolizei der Wehrmacht. Sie war für Disziplin, Verkehr, Festnahmen und Sicherungsaufgaben verantwortlich – an der Front wie im Hinterland.
Aufgaben
- Überwachung des Marschverkehrs und militärischer Ordnung
- Verfolgung von Deserteuren und Spionen
- Sicherung und Kontrolle in besetzten Gebieten
Unterstellung & Organisation
Feldgendarmerie-Trupps und -Abteilungen waren Divisionen, Armeen und den Feld- und Ortskommandanturen in den besetzten Gebieten zugeordnet.
Kontext
Die Feldgendarmerie hatte polizeiliche und militärische Befugnisse zugleich. In den besetzten Gebieten beteiligte sie sich an Razzien, Geiselnahmen und Erschießungen, gegen Kriegsende an der Jagd auf Deserteure. Wegen des Ringkragens nannten Soldaten sie „Kettenhunde“.
Quellen und Literatur: Vorschriften des OKH, Feldgendarmerie-Handbücher, Erfahrungsberichte aus rückwärtigen Gebieten.
Versand- und Kommunikationsdienst der Streitkräfte im Kriegseinsatz.
Eintrag öffnen: Feldpost
Die Feldpost beförderte Briefe und Päckchen zwischen Front und Heimat, im Krieg geschätzt 30 bis 40 Milliarden Sendungen. Statt eines Standorts trug jede Einheit eine Feldpostnummer, damit der Gegner aus abgefangener Post keine Truppenverteilung ablesen konnte.
Organisation
An der Spitze stand der Heeresfeldpostmeister im OKH. Feldpostprüfstellen öffneten Stichproben und zensierten Briefe auf verbotene Angaben und „defätistische“ Äußerungen.
Tipp für die Familienforschung
Feldpostnummern auf erhaltenen Briefen lassen sich über Verzeichnisse einer Einheit zuordnen. Das Bundesarchiv beantwortet Anfragen zu Wehrmachtsangehörigen.
Regionale Parteiführungsebene der NSDAP unterhalb der Reichsleitung, zuständig für Propaganda, Personal und Kontrolle.
Eintrag öffnen: Gauleitung
Die Gauleitungen führten die Partei in den Regionen, zuletzt in über 40 Gauen. Die Gauleiter unterstanden persönlich Hitler; die Parteikanzlei koordinierte. Viele waren zugleich Reichsstatthalter oder Oberpräsidenten, ab 1942 auch Reichsverteidigungskommissare mit weitreichenden Befugnissen im Krieg.
Logistische Spitze des Heeres: Versorgung, Nachschub, Transport, Unterkunft und Infrastruktur.
Eintrag öffnen: GenQu
Der Generalquartiermeister verantwortete die Heereslogistik: Verpflegung, Munition, Treibstoff, Transporte, Feldinfrastruktur und Sanitätswesen – ohne sie war keine Operation durchführbar.
Auftrag & Aufgaben
- Versorgung (Verpflegung, Munition, Betriebsstoffe)
- Transport/Verkehrswesen, Marsch- und Nachschubplanung
- Unterkunft, Infrastruktur, Sanitäts- und Etappendienst
Unterstellung & Organisation
Im OKH verankert; Stäbe für Nachschub, Verkehr, Etappen, Feldbau/Unterkunft, Sanitätswesen.
Leitende Personen
- 1940–1944: General Eduard Wagner; nach dem 20. Juli 1944 Suizid
Kontext: Einsatzgruppen und Kriegsgefangene
Wagner handelte im April 1941 mit Heydrich die Vereinbarung aus, nach der die Einsatzgruppen im Operationsgebiet des Heeres morden konnten. Der Generalquartiermeister war auch für die Versorgung sowjetischer Kriegsgefangener im Operationsgebiet zuständig; die Rationen wurden bewusst niedrig gehalten, Hunderttausende starben 1941/42 in den Lagern.
Quellen und Literatur: Akten des Generalquartiermeisters; Forschung u. a. von Christian Gerlach, Christian Streit, Johannes Hürter.
Zentrale Planungs- und Führungsstelle des Heeres für Strategie, Ausbildung und operative Kriegführung.
Eintrag öffnen: GenStdH
Der Generalstab des Heeres war die Planungszentrale des OKH. Er arbeitete Operationspläne aus, beurteilte die Lage und steuerte die Ausbildung der Generalstabsoffiziere. Seine Tradition reichte bis in die preußische Armee zurück.
Auftrag & Aufgaben
- Operationsplanung und Lagebeurteilung
- Feindaufklärung („Fremde Heere Ost/West“), Transport- und Versorgungsplanung
- Auswahl und Ausbildung der Generalstabsoffiziere an der Kriegsakademie
Chefs des Generalstabs
- 1935–1938: Ludwig Beck – trat aus Protest gegen die Kriegspläne gegen die Tschechoslowakei zurück
- 1938–1942: Franz Halder
- 1942–1944: Kurt Zeitzler
- 1944–1945: Heinz Guderian, zuletzt Hans Krebs
Kontext: Planung und Widerstand
Der Generalstab plante die Angriffskriege mit, einschließlich des Vernichtungskriegs gegen die Sowjetunion. Zugleich kamen aus seinen Reihen Offiziere des militärischen Widerstands: Beck war 1938 und 1944 eine Zentralfigur, Halder war an den Umsturzplänen von 1938 beteiligt. Nach dem 20. Juli 1944 verlangte Guderian von jedem Generalstabsoffizier ein Bekenntnis zum Nationalsozialismus.
Quellen und Literatur: Kriegstagebuch Halder, Akten des OKH; Forschung u. a. von Klaus-Jürgen Müller, Manfred Messerschmidt, Johannes Hürter.
Zentrale politische Polizei des NS-Staates zur Überwachung, Verfolgung und Unterdrückung politischer Gegner.
Eintrag öffnen: Gestapo
Die Geheime Staatspolizei (Gestapo) war die politische Polizei des NS-Staates. Sie entstand 1933 in Preußen aus der politischen Abteilung der Polizei und wurde bis 1936 auf das ganze Reich ausgedehnt. Sie konnte Menschen ohne Gerichtsurteil in „Schutzhaft“ nehmen und in Konzentrationslager einweisen.
Auftrag & Aufgaben
- Verfolgung politischer Gegner, von Kommunisten und Sozialdemokraten bis zu Kirchenvertretern
- Überwachung von Juden, Zwangsarbeitern und „Gemeinschaftsfremden“
- Organisation der Deportationen aus dem Reichsgebiet
Unterstellung & Organisation
Ab 1936 unterstand die Gestapo über das Hauptamt Sicherheitspolizei Reinhard Heydrich, ab 1939 als Amt IV dem Reichssicherheitshauptamt. Vor Ort arbeiteten Staatspolizei(leit)stellen, in den besetzten Gebieten die Dienststellen der BdS und KdS. Die Gestapo war personell klein und stützte sich stark auf Denunziationen aus der Bevölkerung.
Leitende Personen
- 1933–1934: Rudolf Diels
- 1934–1939: Reinhard Heydrich als Leiter des Geheimen Staatspolizeiamts, unter Heinrich Himmler
- 1939–1945: Heinrich Müller als Chef des Amtes IV; Adolf Eichmann leitete dort das „Judenreferat“ IV B 4
Kontext: Terror und Holocaust
Die Gestapo folterte, verschleppte und ermordete Regimegegner und organisierte die Deportation der Juden aus Deutschland in die Ghettos und Vernichtungslager. Der Internationale Militärgerichtshof erklärte sie 1946 zur verbrecherischen Organisation.
Quellen und Literatur: Akten der Staatspolizeistellen, Nürnberger Prozessakten; Forschung u. a. von Robert Gellately, Gerhard Paul, Klaus-Michael Mallmann, Michael Wildt.
Politische Polizei der Wehrmacht in Operationsgebieten und besetzten Ländern: Spionageabwehr, Verfolgung von Widerstand und Partisanen.
Eintrag öffnen: GFP
Die Geheime Feldpolizei (GFP) war die politische Polizei der Wehrmacht. Sie wurde 1939 aufgestellt und arbeitete in den Operationsgebieten und besetzten Ländern, wo die Gestapo nicht oder noch nicht zuständig war.
Aufgaben
- Spionage- und Sabotageabwehr
- Verfolgung von Widerstandsgruppen und Partisanen
- Verhöre und Festnahmen im Auftrag der militärischen Befehlshaber
Unterstellung
An der Spitze stand der Heeresfeldpolizeichef im Amt Ausland/Abwehr des OKW; ihre Beamten kamen überwiegend aus der Kriminalpolizei und der Gestapo.
Kontext
GFP-Gruppen folterten Gefangene und führten Erschießungen durch, besonders in der Sowjetunion. In Westeuropa verfolgte sie Widerstandsnetze, 1941/42 in Brüssel und Paris auch die sowjetischen Funkgruppen der „Roten Kapelle“.
Quellen und Literatur: Forschung u. a. von Klaus Geßner, Paul B. Brown.
Technisches Amt für militärische Infrastruktur, Unterkünfte, Brücken, Straßen und Befestigungen.
Eintrag öffnen: HBA
Die Heeresbauämter waren die örtlichen Bauverwaltungen des Heeres. Sie planten und betreuten Kasernen, Truppenübungsplätze, Depots und Munitionsanstalten im Reichsgebiet.
Aufgaben
- Neubau und Unterhaltung militärischer Anlagen
- Bauaufsicht bei Aufträgen an private Firmen
- Zusammenarbeit mit der Organisation Todt bei Großprojekten
Jugendorganisation der NSDAP zur politischen und militärischen Erziehung der deutschen Jugend.
Eintrag öffnen: HJ
Die Hitlerjugend (HJ) war die Jugendorganisation der NSDAP. Im engeren Sinn umfasste sie Jungen von 14 bis 18 Jahren; die Jüngeren gehörten zum Deutschen Jungvolk, Mädchen zu Jungmädelbund und BDM. Mit dem Gesetz über die Hitlerjugend von 1936 wurde sie Staatsjugend, 1939 kam die Jugenddienstpflicht.
Auftrag & Aufgaben
- Politische Schulung und Erziehung zur „Volksgemeinschaft“
- Sport, Geländespiele und vormilitärische Ausbildung, etwa in Marine-, Flieger- und Motor-HJ
- Ab 1942 dreiwöchige Wehrertüchtigungslager für 16- und 17-Jährige
Leitung & Organisation
- 1931–1940: Baldur von Schirach – Reichsjugendführer
- 1940–1945: Artur Axmann – Reichsjugendführer
Ende 1939 zählten HJ und BDM mit ihren Untergliederungen rund 8,7 Millionen Mitglieder.
Kontext: Erziehung und Kriegseinsatz
Ab 1943 wurden Schüler der Jahrgänge 1926 und 1927 als Luftwaffenhelfer an die Flak geholt, 1944/45 kämpften Hitlerjungen im Volkssturm und in Panzervernichtungstrupps. Viele Zeitzeugen dieser Jahrgänge beschreiben, dass ihnen der Dienst selbstverständlich erschien.
Quellen und Literatur: Dienstvorschriften, Erinnerungsberichte; Forschung u. a. von Michael Buddrus, Michael H. Kater, Arno Klönne.
Zentrales Personalamt des Heeres für Offizierskarrieren, Versetzungen, Beurteilungen und Auszeichnungen.
Eintrag öffnen: HPA
Das Heerespersonalamt (HPA) steuerte Laufbahnen, Beförderungen, Beurteilungen und Einteilungen der Offiziere des Heeres. Es prägte die Führungsstruktur des Heeres in Kriegs- und Friedenszeiten maßgeblich.
Auftrag & Aufgaben
- Personalplanung und -einsatz des Offizierskorps
- Beförderungen, Auszeichnungen, Versetzungen, Beurteilungen
- Schulung/Verwendungsplanung in Zusammenarbeit mit dem OKH
Unterstellung & Organisation
Dem OKH nachgeordnet; gegliedert in Referate für Laufbahnen, Beurteilungen, Auszeichnungen und Ersatzwesen.
Leitende Personen
- 1938–1942: Bodewin Keitel
- 1942–1944: Rudolf Schmundt, zugleich Chefadjutant der Wehrmacht bei Hitler; starb an den Verletzungen vom 20. Juli 1944
- 1944–1945: Wilhelm Burgdorf
Kontext: Einfluss auf das Offizierskorps
Unter Schmundt öffnete das HPA ab 1942 die Offizierslaufbahn stärker für Bewerber ohne Abitur und machte die politische Haltung zum Beförderungskriterium. Burgdorf wirkte im Oktober 1944 an der erzwungenen Selbsttötung Erwin Rommels mit.
Quellen und Literatur: Tätigkeitsbericht des Chefs des Heerespersonalamts, Personalakten; Forschung u. a. von Reinhard Stumpf.
Medizinischer Dienst des Heeres für Verwundetenversorgung, Feldlazarette und Seuchenbekämpfung.
Eintrag öffnen: HSanD
Der Sanitätsdienst sorgte für medizinische Betreuung, Evakuierung Verwundeter und Hygiene auf allen Kriegsschauplätzen.
Militärische Ausbildungsstätten des Heeres für Offiziere, Spezialisten und Truppenteile.
Eintrag öffnen: HSchulen
Das Netz der Heeresschulen vermittelte technische, taktische und Führerausbildung – von der Infanterie- über Panzer- bis zur Pionierschule.
Regionale Spitzeninstanz der SS und Polizei in Reichs- und Besatzungsgebieten; Schnittstelle zur Zivil- und Militärverwaltung.
Eintrag öffnen: HSSPF
Der HSSPF vertrat Himmler regional und bündelte Befehlsgewalt über SS, Polizei und oft auch Verwaltungseinheiten. Besonders in besetzten Gebieten koordinierte er Repression, Partisanenbekämpfung und Deportationen.
Unterstellung & Aufgaben
- Direkte Weisungsbindung an den Reichsführer-SS
- Koordination von OrPo, SD, Gestapo und SS-Verbänden
- Strategische Steuerung von Besatzungs- und Sicherheitsmaßnahmen
Kontext
In den besetzten Ostgebieten leiteten HSSPF die großen Massaker selbst: Friedrich Jeckeln war für Babyn Jar und die Erschießungen von Rumbula bei Riga verantwortlich, Erich von dem Bach-Zelewski für die „Bandenbekämpfung“ in Weißrussland und die Niederschlagung des Warschauer Aufstands 1944.
Zentrales Amt für Entwicklung, Prüfung, Beschaffung und Instandsetzung von Heereswaffen und Gerät.
Eintrag öffnen: HWA
Das Heereswaffenamt (HWA) verantwortete Forschung, Erprobung, Normung und Beschaffung von Heereswaffen, Munition und Gerät – vom Karabiner bis zur Panzertechnik.
Auftrag & Aufgaben
- Entwicklung/Erprobung von Waffen und Munition
- Beschaffung, Normung, Qualitätskontrolle
- Technische Richtlinien, Instandsetzung, Ersatzteile
Unterstellung & Organisation
Dem OKH zugeordnet; Ämter/Abteilungen für Waffenentwicklung, Munition, Gerät, Prüfwesen und Fertigung.
Leitende Personen
- 1938–1940: Karl Becker
- 1940–1945: Emil Leeb
Kontext: Rüstung & Technik
Das HWA bildete die technische Schnittstelle zwischen Truppe, Industrie und Forschung – entscheidend für Kampfkraft und Standardisierung.
Quellen und Literatur: HWA-Akten, Prüfberichte, Fertigungsstatistiken, Fachliteratur zur Rüstungsorganisation.
Zentrale SS-Verwaltungsbehörde für das Konzentrationslagersystem bis 1942, danach im WVHA (Amtsgruppe D) aufgegangen.
Eintrag öffnen: IKL
Die Inspektion der Konzentrationslager (IKL) war bis 1942 die zentrale SS-Behörde zur einheitlichen Organisation und Verwaltung des Konzentrationslagersystems.
Auftrag & Aufgaben
- Einheitliche Organisation und „Ausbildung“ des Wachpersonals (SS-Totenkopfverbände)
- Verwaltung und Kontrolle der Konzentrationslager im gesamten Reichsgebiet
- Festlegung von Disziplinar- und Terrorpraktiken in den Lagern
Unterstellung & Organisation
Die IKL war Himmler direkt unterstellt, ihr Sitz lag zunächst in Berlin, ab 1938 in Oranienburg neben dem KZ Sachsenhausen. Im März 1942 wurde sie als Amtsgruppe D in das WVHA eingegliedert.
Führende Personen
- 1934–1939: Theodor Eicke – zuvor Kommandant in Dachau, übertrug das „Dachauer Modell“ auf alle Lager
- 1939–1945: Richard Glücks, ab 1942 als Chef der Amtsgruppe D
Kontext: Grundlegung des KZ-Terrors
Die IKL trägt direkte Verantwortung für die systematische Ausgestaltung des Terrors in den Konzentrationslagern. Das von Theodor Eicke entwickelte „Dachauer Schema“ diente als Vorbild für Gewalt- und Disziplinarpraxis in praktisch allen späteren Lagern.
Quellen und Literatur: Forschungsliteratur zum KZ-System (u. a. Karin Orth, Nikolaus Wachsmann).
Ausbildungsstätte des Heeres für Generalstabsoffiziere in Berlin, 1935 wiedereröffnet.
Eintrag öffnen: KA
Die Kriegsakademie in Berlin-Moabit wurde 1935 wiedereröffnet; der Versailler Vertrag hatte sie verboten. Hier durchliefen ausgewählte Offiziere die Generalstabsausbildung in Taktik, Operationsführung und Stabsarbeit. Im Krieg wurden die Lehrgänge stark verkürzt.
Hitlers Privatkanzlei unter Philipp Bouhler: Eingaben und Gnadengesuche, ab 1939 Organisationszentrale der Krankenmorde („Aktion T4“).
Eintrag öffnen: KdF
Die Kanzlei des Führers der NSDAP war Hitlers persönliche Kanzlei. Sie bearbeitete Eingaben, Bittschriften und Gnadengesuche aus der Bevölkerung. Nicht zu verwechseln ist sie mit der Parteikanzlei unter Martin Bormann und mit der Reichskanzlei.
Leitung
- 1934–1945: Philipp Bouhler, Chef der Kanzlei des Führers
- Viktor Brack, Leiter des Hauptamts II, organisierte die Krankenmorde
Zuständigkeit
Die Kanzlei war klein und unterstand Hitler direkt. Gerade weil sie außerhalb der Ministerien stand, wählte Hitler sie 1939 für die geheime Organisation der „Euthanasie“.
Kontext: „Aktion T4“ und Kindermord
Auf ein von Hitler auf den 1. September 1939 zurückdatiertes Schreiben hin organisierten Bouhler und Brack den Mord an Psychiatriepatienten. Die Tarnzentrale saß in der Berliner Tiergartenstraße 4. Bis zum offiziellen Stopp im August 1941 wurden in sechs Gasmordanstalten mehr als 70.000 Menschen getötet, danach setzte sich das Morden dezentral fort. Über den „Reichsausschuss“ lief auch die Ermordung behinderter Kinder. T4-Personal baute später die Vernichtungslager Belzec, Sobibor und Treblinka mit auf.
Quellen und Literatur: Forschung u. a. von Ernst Klee, Henry Friedlander, Götz Aly.
Untergeordnete regionale Dienststellen von SiPo und SD; Umsetzung operativer Maßnahmen auf Ebene von Bezirken/Gauen.
Eintrag öffnen: KdS
Der KdS setzte die Anweisungen des BdS operativ um und führte lokale Gestapo-, Kripo- und SD-Stellen.
Kontext
KdS-Dienststellen führten in den besetzten Gebieten Erschießungen durch, lösten Ghettos auf und stellten Deportationszüge zusammen, etwa die Dienststelle des KdS Minsk.
Parteiebene zwischen Gau und Ortsgruppe; der Kreisleiter führte die Ortsgruppen und hatte politisches Mitspracherecht bei Behörden.
Eintrag öffnen: Kreisleitung
Die Kreisleitungen standen zwischen Gauleitung und Ortsgruppen. Darunter folgten Zellen und Blöcke, deren Leiter („Blockwarte“) die Haushalte kannten. Kreisleiter gaben politische Beurteilungen ab, die über Beförderungen und Genehmigungen mitentschieden.
Kartenherstellung, Vermessung und militärgeografische Beschreibung für das Heer; im Generalstab des Heeres angesiedelt.
Eintrag öffnen: KVW
Das Kriegskarten- und Vermessungswesen im Generalstab des Heeres ließ Karten drucken, Vermessungen durchführen und militärgeografische Landesbeschreibungen erstellen. Im Feld arbeiteten Karten- und Vermessungseinheiten.
Operativer Führungsstab im Generalstab der Luftwaffe für Einsatzplanung und Lage.
Eintrag öffnen: LwFüSt
Der Luftwaffenführungsstab war der operative Teil des Generalstabs der Luftwaffe. Er bereitete die Einsätze der Luftflotten vor, führte die Lagekarte und arbeitete die Befehle des Oberbefehlshabers aus.
Technische Einrichtungen zur Wartung, Reparatur und Neubau von Schiffen und U-Booten.
Eintrag öffnen: MarArs
Die Marinearsenale in Kiel und Wilhelmshaven, ab 1939 als Kriegsmarinewerften geführt, bauten, rüsteten und reparierten Schiffe und U-Boote der Kriegsmarine. In den besetzten Häfen kamen Werften in Frankreich und Norwegen hinzu.
Militärverwaltung im besetzten Frankreich 1940–1944, zuständig für Sicherheit, Verwaltungsaufsicht und wirtschaftliche Ausbeutung.
Eintrag öffnen: MBF
Nach dem Waffenstillstand vom Juni 1940 übernahm der Militärbefehlshaber in Frankreich (MBF) die Verwaltung der besetzten Zone. Von seinem Sitz im Hotel Majestic in Paris beaufsichtigte er die französischen Behörden und ließ die Wirtschaft des Landes für die deutsche Kriegführung arbeiten.
Auftrag & Aufgaben
- Militärische Sicherheit im besetzten Gebiet
- Aufsicht über die französische Verwaltung, Polizei und Justiz
- Kontrolle von Wirtschaft, Presse und Rundfunk
- Abschöpfung von Industrie- und Agrarleistungen sowie Besatzungskosten
Unterstellung & Organisation
Der MBF unterstand dem Oberbefehlshaber des Heeres (OKH). Er gliederte sich in einen Kommandostab und einen Verwaltungsstab mit Verwaltungs- und Wirtschaftsabteilung. Das besetzte Gebiet war in Militärverwaltungsbezirke mit Feld- und Kreiskommandanturen eingeteilt.
Die Propaganda-Abteilung Frankreich war fachlich der Wehrmachtpropaganda im OKW unterstellt (siehe Lexikon der Manipulation und Propaganda).
Führende Militärbefehlshaber
- 1940: General Alfred Streccius
- 1940–1942: General Otto von Stülpnagel
- 1942–1944: General Carl-Heinrich von Stülpnagel, am 20. Juli 1944 am Umsturzversuch beteiligt, im August 1944 hingerichtet
Zuständigkeit
- Besetzte Zone – Norden und Atlantikküste
- Südzone – bis November 1942 unter der Vichy-Regierung, danach ebenfalls von der Wehrmacht besetzt
- Die Vichy-Regierung blieb bis 1944 formal im Amt
Kontext: Geiselerschießungen und Deportationen
Nach Anschlägen der Résistance ließ der MBF ab 1941 Hunderte Geiseln erschießen, unter anderem im Oktober 1941 in Châteaubriant. Die ersten Deportationen von Juden aus Frankreich nach Auschwitz im März 1942 ordnete die Militärverwaltung als „Sühnemaßnahme“ an. Im Juni 1942 gingen die polizeilichen Befugnisse an den Höheren SS- und Polizeiführer über. Die Wirtschaftsabteilung war an der Enteignung jüdischer Unternehmen beteiligt.
Quellen und Literatur: Akten der Militärverwaltung (Bundesarchiv-Militärarchiv, Archives nationales); Forschung u. a. von Hans Umbreit, Ahlrich Meyer, Regina Delacor, Robert Paxton.
Regionale Kommandobehörde der Kriegsmarine zur Führung von Flotten und Küstenabschnitten.
Eintrag öffnen: MGK
Die Marinegruppenkommandos führten die Seestreitkräfte in größeren Seegebieten. Es gab die Gruppen Ost (Ostsee) und West (Nordsee und Atlantik), später auch Nord und Süd. Ihnen unterstanden Sicherungsverbände, Küstenbefehlshaber und zeitweise die Flotte.
Truppengattung für Fernmeldewesen, Funk, Signalaufklärung und elektronische Kommunikation.
Eintrag öffnen: NachrTr
Die Nachrichtentruppe stellte die Kommunikation zwischen Kommandostellen sicher und betrieb Funk- und Kabelnetze an Front und Heimatstandorten.
Kolonnen und Einheiten, die Munition, Verpflegung und Betriebsstoff von den Lagern zur Truppe brachten.
Eintrag öffnen: Nachschubtr.
Die Nachschubtruppen brachten Munition, Verpflegung und Betriebsstoff von den Nachschublagern zur Truppe, mit Lkw-Kolonnen und, vor allem an der Ostfront, mit Pferdefuhrwerken. Geführt wurden sie über die Quartiermeister der Armeen und Divisionen, an der Spitze stand der Generalquartiermeister.
Studentische Organisation der NSDAP zur Gleichschaltung der Hochschulen und ideologischen Schulung der Studenten.
Eintrag öffnen: NSDStB
Der NSDStB vertrat die Partei an Hochschulen, organisierte Schulungen, Aufmärsche und politische Betreuung der Studierenden.
Leitung
- 1936–1945: Gustav Adolf Scheel, Reichsstudentenführer
Frauenorganisation der NSDAP für Schulung, Propaganda und Familienpolitik im Sinne der NS-Ideologie.
Eintrag öffnen: NSF
Die NS-Frauenschaft (NSF) war die Frauenorganisation der Partei. Zusammen mit dem angeschlossenen Deutschen Frauenwerk schulte sie Frauen in Haushalt, Mütterlichkeit und Weltanschauung. Führungsämter in Partei und Staat blieben Frauen weitgehend verschlossen.
Leitung
- 1934–1945: Gertrud Scholtz-Klink, Reichsfrauenführerin
Luftsportorganisation der NSDAP zur fliegerischen Ausbildung und Vorbereitung auf den Luftwaffendienst.
Eintrag öffnen: NSFK
Das NS-Fliegerkorps (NSFK) wurde 1937 gegründet und übernahm die vormilitärische Fliegerausbildung, vor allem im Segelflug. Es bildete auch die Flieger-HJ aus und lieferte der Luftwaffe Nachwuchs.
Leitung
- 1937–1943: Friedrich Christiansen, Korpsführer
- 1943–1945: Alfred Keller
Paramilitärische Motororganisation der NSDAP zur Schulung im Fahren, Transport und Technik.
Eintrag öffnen: NSKK
Das NSKK war eine motorisierte Ausbildungsorganisation. Es schulte Mitglieder im Fahren, in Technik und Wartung und wurde im Krieg logistisch eingesetzt.
Aufgaben
- Fahr- und Technikausbildung, Motorsport
- Ausbildung von Kraftfahrern für die Wehrmacht
- Im Krieg Transportstaffeln für Wehrmacht und Organisation Todt
Leitung
- 1934–1942: Adolf Hühnlein, Korpsführer
- 1942–1945: Erwin Kraus
Lehrerorganisation der NSDAP zur Durchsetzung der Weltanschauung im Bildungswesen.
Eintrag öffnen: NSLB
Der NS-Lehrerbund (NSLB) erfasste Lehrer aller Schulformen und schulte sie weltanschaulich; zeitweise waren über 95 Prozent der Lehrer Mitglied. 1943 wurde er „für die Dauer des Krieges“ stillgelegt.
Leitung
- 1929–1935: Hans Schemm
- 1935–1945: Fritz Wächtler
Sozialorganisation der NSDAP für Wohlfahrt, Kinderbetreuung, Mütterhilfe und Armenunterstützung im Sinne der NS-Ideologie.
Eintrag öffnen: NSV
Die NS-Volkswohlfahrt (NSV) war mit zuletzt über 16 Millionen Mitgliedern nach der DAF die größte Massenorganisation. Sie organisierte das Winterhilfswerk, Mütter- und Kinderhilfe, Kindergärten und im Krieg die Kinderlandverschickung mit. Hilfe erhielt nur, wer als „erbgesund“ und politisch zuverlässig galt.
Organisation
- Leitung: Erich Hilgenfeldt, Hauptamt für Volkswohlfahrt, 1933–1945
- Hilfswerk „Mutter und Kind“, Winterhilfswerk, NSV-Schwesternschaft
- Verdrängung und Übernahme kirchlicher und freier Wohlfahrtsverbände
Zentrale Kommandobehörde des Heeres, verantwortlich für Führung, Organisation und Einsatzplanung des Landheers.
Eintrag öffnen: OKH
Das Oberkommando des Heeres (OKH) war die oberste Kommandobehörde des Heeres. Es plante und führte die Feldzüge in Polen, im Westen und im Osten. Ab 1942 war es nur noch für die Ostfront zuständig, die übrigen Kriegsschauplätze führte das OKW.
Auftrag & Aufgaben
- Operative Führung der Heeresgruppen und Armeen
- Ausbildung, Personal, Rüstung und Versorgung des Heeres über Generalstab, Heerespersonalamt, Heereswaffenamt und Generalquartiermeister
- Verwaltung der rückwärtigen Heeresgebiete
Oberbefehlshaber des Heeres
- 1935–1938: Generaloberst Werner von Fritsch
- 1938–1941: Generalfeldmarschall Walther von Brauchitsch
- ab Dezember 1941: Hitler selbst
Chefs des Generalstabs
- 1938–1942: Franz Halder
- 1942–1944: Kurt Zeitzler
- 1944–1945: Heinz Guderian (mit der Wahrnehmung beauftragt)
- März–Mai 1945: Hans Krebs
Kontext: Vernichtungskrieg im Osten
Das OKH plante den Überfall auf die Sowjetunion. Im April 1941 vereinbarte Generalquartiermeister Eduard Wagner mit Reinhard Heydrich, dass die Einsatzgruppen im Operationsgebiet des Heeres „in eigener Verantwortung“ handeln durften; das Heer versorgte sie logistisch. Entwürfe des Kommissarbefehls stammten ebenfalls aus dem OKH.
Quellen und Literatur: Kriegstagebuch Halder, Akten des OKH; Forschung u. a. von Johannes Hürter, Christian Hartmann, Karl-Heinz Frieser, Jürgen Förster.
Oberste Führungsinstanz der Luftwaffe, zuständig für Organisation, Rüstung und Einsatz der Luftstreitkräfte.
Eintrag öffnen: OKL
Das Oberkommando der Luftwaffe (OKL) führte die deutsche Luftwaffe. Bis 1944 waren Kommando und Reichsluftfahrtministerium eng verflochten; beide leitete Hermann Göring. Erst 1944 wurde das OKL als eigenständiger Stab vom Ministerium getrennt.
Auftrag & Aufgaben
- Führung der Luftflotten, der Flak und der Luftverteidigung des Reiches
- Planung von Luftoperationen über den Generalstab der Luftwaffe
- Ausbildung und Personal der Luftwaffe
Führende Personen
- 1935–1945: Hermann Göring – Oberbefehlshaber der Luftwaffe, im April 1945 von Hitler abgesetzt
- April–Mai 1945: Robert Ritter von Greim – letzter Oberbefehlshaber
- 1941–1944: Erhard Milch – als Generalluftzeugmeister für die Flugzeugrüstung zuständig
- Chefs des Generalstabs u. a. Hans Jeschonnek (1939–1943), Günther Korten, Karl Koller
Kontext: Führung und Verantwortung
Die Führung der Luftwaffe war ganz auf Göring zugeschnitten; Konkurrenz mit dem Rüstungsministerium und Fehlplanungen schwächten sie ab 1942 spürbar. Göring wurde 1946 in Nürnberg zum Tode verurteilt und entzog sich der Hinrichtung durch Suizid.
Quellen und Literatur: Akten der Luftwaffe (Bundesarchiv-Militärarchiv), Nürnberger Prozessakten; Forschung u. a. von Horst Boog, Richard Overy, Lutz Budraß.
Oberste Kommandobehörde der Kriegsmarine für Seekriegführung, Schiffbau, Personal und Ausbildung.
Eintrag öffnen: OKM
Das Oberkommando der Kriegsmarine (OKM) war die oberste Kommandobehörde der deutschen Seestreitkräfte. Es entstand im Januar 1936 aus der Marineleitung und hatte seinen Sitz in Berlin.
Auftrag & Aufgaben
- Planung und Führung des Seekriegs
- Schiffbau, Bewaffnung und Werften
- Personal, Ausbildung und Verwaltung der Kriegsmarine
Unterstellung & Organisation
Der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine war direkt Hitler unterstellt. Das OKW koordinierte, hatte gegenüber dem OKM aber keine Befehlsgewalt in Marinefragen. Wichtigste Abteilungen waren:
- Seekriegsleitung (SKL) – operative Führung
- Allgemeines Marineamt – Organisation und Verwaltung
- Marinewaffenamt und Hauptamt Kriegsschiffbau – Rüstung und Schiffbau
- Marinepersonalamt – Offizierspersonal
Oberbefehlshaber
- 1935–1943: Großadmiral Erich Raeder
- 1943–1945: Großadmiral Karl Dönitz, Schwerpunkt auf dem U-Boot-Krieg
- Mai 1945: Generaladmiral Hans-Georg von Friedeburg
Kontext: Verantwortung
Raeder und Dönitz wurden 1946 in Nürnberg verurteilt, Raeder zu lebenslanger Haft wegen der Planung von Angriffskriegen, Dönitz zu zehn Jahren. Die Seekriegsleitung war an der Planung der Besetzung Norwegens 1940 maßgeblich beteiligt.
Quellen und Literatur: Kriegstagebuch der Seekriegsleitung, Nürnberger Prozessakten; Forschung u. a. von Michael Salewski, Werner Rahn, Jürgen Rohwer.
Zentrale Kommandobehörde der Wehrmacht, zuständig für strategische Gesamtplanung und Koordination der Teilstreitkräfte.
Eintrag öffnen: OKW
Das Oberkommando der Wehrmacht (OKW) entstand am 4. Februar 1938, nachdem Hitler Kriegsminister Werner von Blomberg entlassen und selbst den Oberbefehl über die Wehrmacht übernommen hatte. Es diente ihm als militärischer Stab.
Auftrag & Aufgaben
- Ausarbeitung von Hitlers Weisungen für die Wehrmacht
- Koordination von Heer, Kriegsmarine und Luftwaffe
- Ab 1942 Führung der „OKW-Kriegsschauplätze“ außerhalb der Ostfront (Westen, Italien, Balkan, Norwegen)
Unterstellung & Organisation
Das OKW war direkt Hitler unterstellt. Befehlsgewalt über die Oberkommandos der Teilstreitkräfte hatte es nicht; es koordinierte. Wichtige Ämter:
- Wehrmachtführungsamt, ab 1940 Wehrmachtführungsstab – operative Planung
- Amt Ausland/Abwehr – militärischer Nachrichtendienst unter Admiral Wilhelm Canaris
- Allgemeines Wehrmachtamt – Verwaltung, Kriegsgefangenenwesen
- Wehrwirtschafts- und Rüstungsamt – Rüstungsbedarf und Rohstoffe
Führende Personen
- 1938–1945: Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel – Chef des OKW
- 1939–1945: Generaloberst Alfred Jodl – Chef des Wehrmachtführungsstabs
Kontext: Verbrecherische Befehle
Im OKW entstanden die Erlasse, mit denen der Krieg gegen die Sowjetunion zum Vernichtungskrieg wurde, darunter der Kriegsgerichtsbarkeitserlass und der Kommissarbefehl von 1941 sowie der Kommandobefehl von 1942. Das Allgemeine Wehrmachtamt war für die Kriegsgefangenen zuständig; von rund 5,7 Millionen sowjetischen Gefangenen starben etwa drei Millionen. Keitel und Jodl wurden 1946 in Nürnberg zum Tode verurteilt und hingerichtet.
Quellen und Literatur: Kriegstagebuch des OKW, Nürnberger Prozessakten; Forschung u. a. von Manfred Messerschmidt, Christian Hartmann, Johannes Hürter, Geoffrey Megargee.
Uniformierte Polizei des NS-Staates unter Himmler: Schutzpolizei, Gendarmerie, Feuerschutz- und Verwaltungspolizei sowie Polizeibataillone.
Eintrag öffnen: OrPo
Die Ordnungspolizei (Orpo) fasste ab Juni 1936 die uniformierte Polizei des Reiches zusammen: Schutzpolizei in den Städten, Gendarmerie auf dem Land, Gemeindepolizei, Feuerschutzpolizei und Verwaltungspolizei. Die Kriminalpolizei gehörte nicht dazu, sondern zur Sicherheitspolizei.
Auftrag & Aufgaben
- Sicherstellung der öffentlichen Ordnung und Überwachung
- Polizeidienst in Städten, auf dem Land und in besetzten Gebieten
- Unterstützung militärischer und sicherheitspolizeilicher Operationen
Leitung & Unterstellung
- Kurt Daluege – Chef der Ordnungspolizei (1936–1943)
- Alfred Wünnenberg – Nachfolger (1943–1945)
Die OrPo war formal Teil des Innenministeriums, praktisch jedoch dem Reichsführer-SS unterstellt.
Kontext: Polizeibataillone im Osten
Polizeibataillone der Orpo waren ab 1941 an den Massenerschießungen von Juden in Polen und der Sowjetunion beteiligt, oft gemeinsam mit den Einsatzgruppen. Christopher Browning hat das am Beispiel des Reserve-Polizeibataillons 101 aus Hamburg untersucht („Ganz normale Männer“). Anders als Gestapo und SD wurde die Orpo in Nürnberg nicht zur verbrecherischen Organisation erklärt; Daluege wurde 1946 in Prag hingerichtet.
Quellen und Literatur: Befehle und Einsatzberichte der Orpo; Forschung u. a. von Christopher Browning, Wolfgang Curilla, Edward Westermann, Stefan Klemp.
Bauorganisation des NS-Staates für Westwall, Atlantikwall, U-Boot-Bunker und Rüstungsbauten, mit Hunderttausenden Zwangsarbeitern.
Eintrag öffnen: OT
Die Organisation Todt (OT) war die zentrale staatliche Bauorganisation des NS-Regimes. Sie baute Befestigungen, Bunker und Rüstungsanlagen in ganz Europa, zunehmend mit Zwangsarbeitern, Kriegsgefangenen und KZ-Häftlingen.
Auftrag & Aufgaben
- Bau des Westwalls ab 1938, später des Atlantikwalls und der U-Boot-Bunker
- Straßen, Brücken und Befestigungen hinter der Front, besonders im Osten
- Bunker- und Verlagerungsbauten für die Rüstungsindustrie ab 1944
Unterstellung & Organisation
Ab 1942 war die OT dem neu geschaffenen Rüstungsministerium unter Albert Speer zugeordnet und eng mit der Kriegswirtschaft verzahnt.
Sie unterhielt eigene Einsatzgruppen in nahezu allen besetzten Gebieten Europas.
Führende Personen
- 1938–1942: Fritz Todt – Gründer und Namensgeber, zugleich Rüstungsminister, kam 1942 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben
- ab 1942: Albert Speer – Nachfolger als Rüstungsminister und oberster Verantwortlicher der OT
Wichtige Projekte
- Westwall – Befestigungslinie an der Westgrenze
- Atlantikwall – Küstenbefestigung von Norwegen bis Südfrankreich
- U-Boot-Bunker an der Atlantikküste und unterirdische Rüstungsfabriken
Die Reichsautobahnen baute nicht die OT, sondern die von Todt ab 1933 als Generalinspektor für das deutsche Straßenwesen geleitete Gesellschaft Reichsautobahnen.
Kontext: Zwangsarbeit
Die Organisation Todt setzte hunderttausende Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge unter oft lebensgefährlichen Bedingungen ein. Die Sterblichkeit auf vielen OT-Baustellen war hoch; sie zählt zu den zentralen Institutionen der NS-Zwangsarbeit.
Quellen und Literatur: Forschung u. a. von Franz W. Seidler („Die Organisation Todt“), Marc Buggeln (KZ-Außenlager).
Zentrale Führungsstelle der NSDAP unter Martin Bormann ab 1941; steuerte Partei und Gauleiter und mischte sich in die Staatsverwaltung ein.
Eintrag öffnen: Parteikanzlei
Die Parteikanzlei der NSDAP entstand am 12. Mai 1941, zwei Tage nach dem Flug von Rudolf Heß nach Schottland, aus dem Stab des Stellvertreters des Führers. Ihr Leiter Martin Bormann erhielt die Befugnisse eines Reichsministers.
Aufgaben
- Führung der Parteidienststellen und Gauleiter
- Mitwirkung an Gesetzen und an der Ernennung von Beamten
- Kontrolle des Zugangs zu Hitler; Bormann war ab 1943 auch „Sekretär des Führers“
Leitung
- 1933–1941: Rudolf Heß als Stellvertreter des Führers (Stab unter Bormann)
- 1941–1945: Martin Bormann
Kontext: Machtzentrum
Über die Parteikanzlei gewann Bormann in den letzten Kriegsjahren großen Einfluss auf Personal und Innenpolitik. Er war an der Radikalisierung der Judenverfolgung und der Kirchenpolitik beteiligt. In Nürnberg wurde er 1946 in Abwesenheit zum Tode verurteilt; er war bereits am 2. Mai 1945 in Berlin gestorben.
Quellen und Literatur: Akten der Parteikanzlei (Bundesarchiv, Institut für Zeitgeschichte); Forschung u. a. von Peter Longerich („Hitlers Stellvertreter“), Jochen von Lang.
Aufsicht über Ausbildung, Ausrüstung und Einsatzgrundsätze der Pioniere.
Eintrag öffnen: PiInsp
Die Pionierinspektion standardisierte Brücken-, Minen- und Sprengtechnik, führte Spezialschulen und baute das Pioniergerät weiter aus.
Ingenieur- und Bautruppe der Wehrmacht für Brücken, Sperren, Minen und Befestigungen.
Eintrag öffnen: PiW
Das Pionierwesen war für militärisches Bauwesen, Feldbefestigungen, Brückenbau und Sprengtechnik zuständig. Pioniereinheiten kamen an allen Fronten zum Einsatz.
Spezialeinheiten für Bild-, Film- und Presseberichterstattung an der Front.
Eintrag öffnen: PK
Die Propagandakompanien (PK) begleiteten die Truppe mit Kriegsberichtern, Fotografen und Kameraleuten. Ihre Texte, Bilder und Filmaufnahmen gingen an Presse, Rundfunk und Wochenschau.
Unterstellung
Die Kompanien unterstanden der Abteilung Wehrmachtpropaganda im OKW; ihr Material wurde militärisch zensiert und vom Propagandaministerium verwertet. Vieles von dem, was heute als Bild des Krieges bekannt ist, stammt von PK-Leuten.
Uniformierte Einheiten der Ordnungspolizei für Sicherungs-, Besatzungs- und Unterstützungsaufgaben.
Eintrag öffnen: Polizei-Batl.
Die Polizei-Bataillone waren Verbände der Ordnungspolizei für Schutz-, Sicherungs- und Besatzungsaufgaben im Reich und in besetzten Gebieten; sie unterstützten militärische und sicherheitspolizeiliche Einsätze.
Auftrag & Aufgaben
- Bewachung, Sicherung, Streifendienste
- Begleitung von Transporten, Objekt- und Raumüberwachung
- Unterstützung von OrPo, Gestapo/SD und Wehrmacht
Unterstellung & Organisation
Teil der Ordnungspolizei; Aufstellung in Bataillons-/Regimentsstärke, regionale Polizeiführer und Kommandobehörden.
Kontext: Massenmord
Polizeibataillone waren ab 1939 in Polen und ab 1941 in der Sowjetunion an der Ermordung Hunderttausender Juden beteiligt; sie bewachten Ghettos und begleiteten Deportationszüge. Das Reserve-Polizeibataillon 101 ermordete im Juli 1942 in Józefów rund 1.500 Menschen an einem Tag.
Quellen und Literatur: Einsatzberichte der Orpo, Ermittlungsakten der Nachkriegsjustiz; Forschung u. a. von Christopher Browning, Stefan Klemp.
Größere Verbände der Ordnungspolizei aus mehreren Polizei-Bataillonen; Sicherungs-, Besatzungs- und Frontdiensteinheiten.
Eintrag öffnen: PolRgt
Die Polizei-Regimenter wurden ab 1942 aus Polizei-Bataillonen gebildet, um eine einheitliche Führung und stärkere operative Schlagkraft sicherzustellen. Sie agierten in Sicherungs-, Bewachungs- und teilweise auch in Kampfrollen.
Aufgaben & Einsatz
- Sicherung rückwärtiger Gebiete und Kommunikationslinien
- Bewachung von Lagern, Transporten und Objekten
- Einsatz bei Anti-Partisanenoperationen und Besatzungssicherung
Unterstellung & Struktur
Die Regimenter unterstanden der Ordnungspolizei und vor Ort den Höheren SS- und Polizeiführern. Im Februar 1943 wurden sie in SS-Polizei-Regimenter umbenannt; Teil der Waffen-SS wurden sie dadurch nicht.
Kontext
Polizeiregimenter wie „Mitte“, „Süd“ und „Russland-Nord“ waren an der Ermordung der Juden in den besetzten sowjetischen Gebieten und an „Bandenbekämpfungs“-Aktionen beteiligt, bei denen ganze Dörfer vernichtet wurden.
Quellen und Literatur: Befehle der Ordnungspolizei, Kriegstagebücher, Nachkriegsdokumentation zu Polizeieinheiten im Osten.
Staatlicher Arbeitsdienst zur Arbeitsbeschaffung, vormilitärischen Ausbildung und ideologischen Erziehung der Jugend.
Eintrag öffnen: RAD
Der Reichsarbeitsdienst (RAD) ging 1935 aus dem Freiwilligen Arbeitsdienst der Weimarer Zeit hervor. Mit dem Reichsarbeitsdienstgesetz vom 26. Juni 1935 wurde er für junge Männer zur Pflicht, meist für sechs Monate vor dem Wehrdienst; ab September 1939 galt die Pflicht auch für junge Frauen.
Auftrag & Aufgaben
- Beschäftigung arbeitsloser Jugendlicher in Infrastruktur- und Landwirtschaftsprojekten
- Vormilitärische Ausbildung und Disziplinierung
- Einsatz zur militärischen Unterstützung ab 1939 (z. B. Schanzarbeiten, Luftwaffenhilfe)
Unterstellung & Organisation
Der RAD unterstand bis 1943 dem Reichsministerium des Innern, danach als Oberste Reichsbehörde direkt Hitler. Er gliederte sich in Arbeitsgaue, Gruppen und Abteilungen, mit eigenen Uniformen und Dienstgraden. Die Männer lebten in Lagern mit militärischem Tagesablauf; der Spaten wurde wie ein Gewehr präsentiert.
Leitung
- Konstantin Hierl – Reichsarbeitsführer, führte den Arbeitsdienst von 1933 bis 1945
Einsatzgebiete & Bedeutung
- Meliorationen, Deichbau, Straßen- und Wegebau, Erntehilfe
- Ab 1938 Arbeiten am Westwall, im Krieg Bau- und Versorgungsaufgaben hinter der Front
- Gegen Kriegsende Einsatz von RAD-Einheiten in der Flak und als Infanterie
Kontext: Erziehung und Militarisierung
Der RAD sollte junge Menschen aller Schichten zur „Volksgemeinschaft“ erziehen und körperlich auf den Wehrdienst vorbereiten. Im Krieg wurde er zunehmend zu einer Hilfstruppe der Wehrmacht.
Quellen und Literatur: Dienstvorschriften, RAD-Zeitschriften; Forschung u. a. von Kiran Klaus Patel („Soldaten der Arbeit“).
Zentrale Führungs- und Verwaltungsebene der Partei oberhalb der Gauleitungen, gegliedert in Hauptämter unter einzelnen Reichsleitern.
Eintrag öffnen: Reichsleitung
Die Reichsleitung war die oberste Verwaltungs- und Führungsebene der NSDAP mit Sitz im „Braunen Haus“ in München. Sie koordinierte die Arbeit der Gauleitungen und erließ verbindliche Parteivorschriften.
Auftrag & Aufgaben
- Koordination und Kontrolle der Gauleitungen im gesamten Reichsgebiet
- Erlass parteiinterner Richtlinien und Weisungen
- Zentrale Verwaltung der Parteifinanzen, Mitgliedschaft und Schulung
Unterstellung & Organisation
Die Reichsleitung war direkt Hitler als Parteiführer unterstellt und gliederte sich in zahlreiche Hauptämter (u. a. für Propaganda, Organisation, Auswärtige Politik, Rassenpolitik).
Ab 1941 übernahm die Parteikanzlei unter Martin Bormann faktisch die zentrale Steuerungsfunktion innerhalb der Reichsleitung.
Führende Personen
- 1933–1941: Rudolf Heß – Stellvertreter des Führers, formal an der Spitze der Parteiorganisation
- 1941–1945: Martin Bormann – Leiter der Parteikanzlei, nach Heß’ Englandflug faktisch mächtigster Mann der Parteiverwaltung
Wichtiger Standort
- „Braunes Haus“ in München – Parteizentrale ab 1931
Quellen und Literatur: Parteiinterne Organisationshandbücher, Forschungsliteratur zur NSDAP-Verwaltungsstruktur (u. a. Dietrich Orlow, Peter Longerich).
Ministerium für das gesamte Bildungswesen und die ideologische Steuerung von Schulen und Universitäten.
Eintrag öffnen: REM
Das REM war verantwortlich für Schulpolitik, Lehrpläne und Hochschulwesen – es sollte die Weltanschauung der NSDAP im Bildungssektor verankern.
Leitung
- 1934–1945: Bernhard Rust
Kontext
Das Ministerium entließ jüdische und politisch missliebige Lehrer und Hochschullehrer, schloss jüdische Kinder ab 1938 vom Besuch öffentlicher Schulen aus und führte neue Lehrpläne mit „Rassenkunde“ ein.
Zentrale Behörde für Haushaltsführung, Steuerpolitik und Finanzkontrolle des Deutschen Reiches.
Eintrag öffnen: RFM
Das RFM verwaltete die Finanzen des Reiches und sicherte die Finanzierung von Rüstung, Verwaltung und Besatzungskosten.
Aufgaben
- Haushalts- und Steuerpolitik
- Kontrolle der Reichskassen und Banken
- Koordination der Finanzverwaltung der Länder
Leitung
- 1932–1945: Lutz Graf Schwerin von Krosigk
Kontext: Ausplünderung
Die Finanzverwaltung trieb die „Reichsfluchtsteuer“ und nach den Novemberpogromen die „Judenvermögensabgabe“ ein. Die Oberfinanzpräsidenten verwerteten ab 1941 das Eigentum deportierter Juden, von Möbeln bis zu Wertpapieren. Schwerin von Krosigk wurde 1949 im Wilhelmstraßenprozess verurteilt.
Quellen und Literatur: Forschung u. a. von Christiane Kuller („Bürokratie und Verbrechen“), Martin Friedenberger.
Zivile Besatzungsverwaltungen, vor allem in den besetzten sowjetischen Gebieten (Ostland, Ukraine), dazu Niederlande und Norwegen.
Eintrag öffnen: RK
Die Reichskommissariate waren zivile Besatzungsverwaltungen in eroberten Ostgebieten, allen voran das Reichskommissariat Ostland (Baltikum, Weißrussland) und das Reichskommissariat Ukraine.
Auftrag & Aufgaben
- Zivile Verwaltung der besetzten Bevölkerung
- Wirtschaftliche Ausbeutung von Rohstoffen und Arbeitskräften
- Umsetzung von „Germanisierungs“- und Umsiedlungsplänen
Unterstellung & Organisation
Die Reichskommissariate unterstanden dem Reichsministerium für die besetzten Ostgebiete (RMBO) unter Alfred Rosenberg, wurden vor Ort jedoch jeweils von einem Reichskommissar geleitet, der weitreichende Machtbefugnisse besaß.
In der Praxis kam es häufig zu Kompetenzkonflikten mit SS- und Polizeistellen vor Ort.
Führende Reichskommissare
- Hinrich Lohse – Reichskommissar für das Ostland
- Erich Koch – Reichskommissar für die Ukraine, berüchtigt für besonders brutale Besatzungspolitik
Verwaltete Gebiete
- Reichskommissariat Ostland – Estland, Lettland, Litauen und Teile Weißrusslands, unter Hinrich Lohse
- Reichskommissariat Ukraine – unter Erich Koch
- Reichskommissariat Niederlande – unter Arthur Seyß-Inquart
- Reichskommissariat Norwegen – unter Josef Terboven
Die Reichskommissariate in den Niederlanden und Norwegen unterstanden direkt Hitler, nicht dem Ostministerium.
Kontext: Besatzungsverbrechen
Die Reichskommissariate waren eng mit den Massenverbrechen in den besetzten Ostgebieten verwoben, darunter die enge Zusammenarbeit mit den Einsatzgruppen bei der Ermordung der jüdischen Bevölkerung sowie brutale wirtschaftliche Ausbeutung und Hungerpolitik.
Quellen und Literatur: Forschungsliteratur zur deutschen Besatzungspolitik im Osten (u. a. Christian Gerlach, Dieter Pohl).
Zentrale Regierungs- und Kanzleistelle zur Geschäftsführung der Reichsregierung.
Eintrag öffnen: RKanzlei
Die Reichskanzlei war die Behörde des Regierungschefs. Weil das Kabinett ab 1938 nicht mehr tagte, wurde sie zur Schaltstelle zwischen den Ministerien und Hitler: Hier liefen Gesetzentwürfe, Führererlasse und Vorlagen zusammen.
Leitung
- 1933–1945: Hans Heinrich Lammers, Chef der Reichskanzlei, ab 1937 im Rang eines Reichsministers
Behörde zur Kontrolle von Kunst, Literatur, Musik, Film, Theater und Presse im nationalsozialistischen Staat.
Eintrag öffnen: RKK
Die Reichskulturkammer (RKK) wurde im September 1933 gegründet und unterstand Joseph Goebbels. Wer als Schriftsteller, Journalist, Musiker, Schauspieler, Maler oder im Film arbeiten wollte, musste Mitglied einer ihrer Einzelkammern sein. Wer ausgeschlossen wurde, vor allem Juden und politische Gegner, hatte faktisch Berufsverbot.
Einzelkammern
- Reichsschrifttumskammer, Reichspressekammer, Reichsrundfunkkammer (bis 1939)
- Reichstheaterkammer, Reichsmusikkammer, Reichskammer der bildenden Künste, Reichsfilmkammer
Zentrale Kriminalpolizei; ab 1939 als Amt V in das RSHA integriert (Kripo).
Eintrag öffnen: RKPA
Das Reichskriminalpolizeiamt war die zentrale Behörde der Kriminalpolizei und wurde 1939 als Amt V (Kripo) in das RSHA eingegliedert.
Auftrag & Aufgaben
- Leitung der Kriminalpolizeidienststellen im Reich
- Fahndung, Erkennungsdienst, Zentrale Dateien
- Koordination mit Gestapo (Amt IV) und SD (Ämter III/VI) im RSHA
Leitung
- 1937–1944: Arthur Nebe – 1941 zugleich Führer der Einsatzgruppe B, 1945 nach dem 20. Juli hingerichtet
Kontext: „Vorbeugende Verbrechensbekämpfung“
Die Kripo nahm ab 1937 Menschen ohne Urteil in „Vorbeugungshaft“ und wies sogenannte „Berufsverbrecher“ und „Asoziale“ in Konzentrationslager ein. Das Reichskriminalpolizeiamt organisierte auch die Erfassung und Deportation von Sinti und Roma.
Quellen und Literatur: RSHA-/RKPA-Akten, Personalunterlagen, Forschungsarbeiten zur Polizeigeschichte.
Ministerium für Luftfahrt, Rüstung der Luftwaffe und zivilen Luftverkehr.
Eintrag öffnen: RLM
Zentrale Steuerung von Luftfahrtpolitik, Luftwaffenrüstung, Forschung (u. a. Triebwerke) und zivilen Fluglinien.
Leitung
- 1933–1945: Hermann Göring, Reichsminister der Luftfahrt
- 1933–1944: Erhard Milch, Staatssekretär
Ministerium für Arbeitsmarktpolitik, Löhne, Sozialversicherung und Arbeitsdienstkoordination.
Eintrag öffnen: RMA
Das Reichsarbeitsministerium war für Arbeitsmarkt, Arbeitsämter, Sozialversicherung und Wohnungsbau zuständig. Ab 1942 übernahm der Generalbevollmächtigte für den Arbeitseinsatz, Fritz Sauckel, die Arbeitskräftelenkung und bediente sich dafür der Arbeitsverwaltung des Ministeriums.
Leitung
- 1933–1945: Franz Seldte
Kontext: Zwangsarbeit
Die Arbeitsämter erfassten und verteilten Millionen ausländischer Zwangsarbeiter. Sauckel wurde 1946 in Nürnberg zum Tode verurteilt und hingerichtet.
Quellen und Literatur: Forschung u. a. von Alexander Nützenadel (Hg.), „Das Reichsarbeitsministerium im Nationalsozialismus“ (2017); Ulrich Herbert („Fremdarbeiter“).
Ministerium unter Alfred Rosenberg zur Verwaltung der besetzten Ostgebiete, mit ziviler und wirtschaftlicher Kompetenz.
Eintrag öffnen: RMBO
Das RMBO plante die zivile Verwaltung der eroberten Ostgebiete. Es war formal zuständig für Politik, Kultur und Wirtschaft, faktisch aber von SS und Wehrmacht übergangen.
Leitung
- 1941–1945: Alfred Rosenberg; 1946 in Nürnberg zum Tode verurteilt und hingerichtet
Kontext
Vertreter des Ministeriums nahmen an der Wannsee-Konferenz teil. Die ihm unterstellten Reichskommissariate Ostland und Ukraine waren an der Ghettoisierung und Ermordung der Juden beteiligt.
Zentralbehörde für Agrarpolitik, Ernährungssicherung und Lenkung der landwirtschaftlichen Produktion.
Eintrag öffnen: RMEL
Das RMEL steuerte die Agrarproduktion, Preisbildung und Versorgungspolitik. Ziel war eine autarke Ernährungswirtschaft und Kontrolle über Bauern und Landwirte.
Aufgaben
- Lenkung von Landwirtschaft und Ernährungspolitik
- Preis- und Produktionskontrolle
- Koordination mit dem Reichsnährstand
Leitung
- 1933–1942: Richard Walther Darré, zugleich Reichsbauernführer
- 1942–1945: Herbert Backe, faktisch schon ab 1941
Kontext: Hungerplan
Staatssekretär Herbert Backe entwarf 1941 den „Hungerplan“: Die Wehrmacht sollte sich aus den besetzten sowjetischen Gebieten ernähren, der Tod von „zig Millionen Menschen“ wurde dabei ausdrücklich einkalkuliert. Die Hungerpolitik traf besonders sowjetische Kriegsgefangene und das belagerte Leningrad.
Quellen und Literatur: Forschung u. a. von Christian Gerlach, Gesine Gerhard, Alex J. Kay.
RMfBuM / RMfRuK
Reichsministerium für Bewaffnung und Munition, ab 1943 für Rüstung und Kriegsproduktion
Rüstungsministerium: 1940 unter Fritz Todt gegründet, ab 1942 unter Albert Speer, ab September 1943 für die gesamte Kriegsproduktion zuständig.
Eintrag öffnen: RMfBuM / RMfRuK
Das Reichsministerium für Bewaffnung und Munition wurde im März 1940 unter Fritz Todt gegründet, zunächst für die Munitions- und Waffenfertigung des Heeres. Nach Todts Tod im Februar 1942 übernahm Albert Speer. Im September 1943 wurde es in Reichsministerium für Rüstung und Kriegsproduktion umbenannt und war nun für nahezu die gesamte Industrie zuständig.
Auftrag & Aufgaben
- Steuerung der Waffen-, Munitions- und Fahrzeugproduktion
- „Selbstverantwortung der Industrie“ über Hauptausschüsse und Ringe
- Zuteilung von Rohstoffen, Energie und Arbeitskräften
Leitung
- 1940–1942: Fritz Todt
- 1942–1945: Albert Speer
Kontext: Rüstungswunder und Zwangsarbeit
Die Produktionssteigerungen bis Mitte 1944, von der Propaganda als „Rüstungswunder“ gefeiert, beruhten zu einem großen Teil auf Zwangsarbeitern, Kriegsgefangenen und KZ-Häftlingen. Speer wurde 1946 in Nürnberg zu 20 Jahren Haft verurteilt. Sein späteres Bild vom unpolitischen Technokraten hat die Forschung widerlegt.
Quellen und Literatur: Forschung u. a. von Adam Tooze („Ökonomie der Zerstörung“), Magnus Brechtken („Albert Speer“), Jonas Scherner.
Zentrale Verwaltungsbehörde für innere Verwaltung, Polizei und Bevölkerungspolitik des Deutschen Reiches.
Eintrag öffnen: RMI
Das Reichsministerium des Innern war zuständig für Verwaltung, Beamtenrecht, Gesundheitswesen, Staatsangehörigkeit und Polizei. Es schrieb die Gesetze, mit denen Länder gleichgeschaltet und Juden entrechtet wurden.
Auftrag & Aufgaben
- Organisation der inneren Verwaltung und Kommunalaufsicht
- Gesetzgebung zu Gesundheit, Bevölkerung und Staatsangehörigkeit
- Überwachung der Polizei und Koordination mit SS-Strukturen
Leitung & Unterstellung
- 1933–1943: Wilhelm Frick
- 1943–1945: Heinrich Himmler
Himmler war ab 1936 als „Chef der Deutschen Polizei im Reichsministerium des Innern“ formal Frick unterstellt, faktisch aber unabhängig.
Kontext: Gesetzgebung der Verfolgung
Im Ministerium entstanden die Nürnberger Gesetze von 1935 und zahlreiche Verordnungen gegen Juden; federführend war Staatssekretär Wilhelm Stuckart, der 1942 auch an der Wannsee-Konferenz teilnahm. Die Gesundheitsabteilung wirkte an Zwangssterilisation und Krankenmorden mit. Frick wurde 1946 in Nürnberg zum Tode verurteilt und hingerichtet.
Quellen und Literatur: Forschung u. a. von Hans-Christian Jasch (Stuckart), Günter Neliba (Frick), Martin Broszat („Der Staat Hitlers“).
Ministerium für Gesetzgebung, Gerichte und Staatsanwaltschaften, Instrument der Gleichschaltung der Justiz.
Eintrag öffnen: RMJ
Das RMJ kontrollierte die Rechtsprechung, formulierte Gesetze und sorgte für politische Gleichschaltung von Richtern und Staatsanwälten.
Leitung
- 1932–1941: Franz Gürtner
- 1941–1942: Franz Schlegelberger, kommissarisch
- 1942–1945: Otto Georg Thierack
Kontext: Justiz im Unrechtsstaat
Das Ministerium baute die Sondergerichte aus und verschärfte das Strafrecht immer weiter. Im September 1942 vereinbarte Thierack mit Himmler, „asoziale Elemente“, darunter Juden, Sinti und Roma, Russen und Ukrainer, aus dem Strafvollzug an die SS zur „Vernichtung durch Arbeit“ abzugeben. Im Nürnberger Juristenprozess 1947 wurden Schlegelberger und weitere Spitzenbeamte verurteilt.
Quellen und Literatur: Forschung u. a. von Lothar Gruchmann („Justiz im Dritten Reich“), Ingo Müller („Furchtbare Juristen“).
Zentrale Behörde für Presse, Rundfunk, Film und Kulturpolitik zur ideologischen Steuerung der öffentlichen Meinung.
Eintrag öffnen: RMVP
Das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda wurde am 13. März 1933 gegründet. Unter Joseph Goebbels lenkte es Presse, Rundfunk, Film, Theater und Kunst und gab den Zeitungen über die tägliche Pressekonferenz vor, was sie zu schreiben hatten.
Auftrag & Aufgaben
- Zentrale Steuerung der öffentlichen Kommunikation und Kulturpolitik
- Überwachung und Gleichschaltung von Presse, Film, Rundfunk und Theater
- Propagandistische Mobilisierung der Bevölkerung in Krieg und Frieden
Leitung & Organisation
- Joseph Goebbels – Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda (1933–1945)
- Fachabteilungen u. a. für Presse, Rundfunk, Film, Theater und bildende Kunst
Kontext: Lenkung der Öffentlichkeit
Das Ministerium steuerte die öffentliche Meinung durch Zensur, Presseanweisungen, Wochenschau und Rundfunk. Mehr dazu im Lexikon der Manipulation und Propaganda.
Quellen und Literatur: Ministerialakten, Reden, Presseanweisungen, Forschung von Welch, Diller, Longerich, Reichel.
Post, Telegrafie, Telefon und Fernmeldewesen; technische Forschung/Standards.
Eintrag öffnen: RPM
Verantwortlich für Kommunikationsnetze; arbeitete mit Wehrmacht und RLM bei Funk- und Verschlüsselungstechnik zusammen.
Leitung
- 1937–1945: Wilhelm Ohnesorge
Zentrale Dachbehörde der SS für Geheimdienst, Polizei und politische Überwachung im Deutschen Reich und den besetzten Gebieten.
Eintrag öffnen: RSHA
Das Reichssicherheitshauptamt (RSHA) entstand am 27. September 1939. Es fasste die staatliche Sicherheitspolizei (Gestapo und Kripo) und den Sicherheitsdienst der SS in einer Behörde zusammen und machte Polizei und Parteigeheimdienst damit untrennbar.
Auftrag & Aufgaben
- Leitung und Koordination der Gestapo, Kripo und des SD
- Bekämpfung politischer Gegner, Spionageabwehr und Kontrolle der Bevölkerung
- Erstellung sicherheitspolitischer Lageberichte für die NS-Führung
Unterstellung & Organisation
Das RSHA unterstand dem Reichsführer-SS Heinrich Himmler und gliederte sich in sieben Ämter (I–VII), darunter:
- Amt IV – Geheime Staatspolizei (Gestapo)
- Amt V – Kriminalpolizei (Kripo)
- Amt III – SD-Inland
- Amt VI – SD-Ausland
Leitende Personen
- 1939–1942: Reinhard Heydrich – nach einem Attentat in Prag im Juni 1942 gestorben
- 1942–1943: kommissarisch Heinrich Himmler
- 1943–1945: Ernst Kaltenbrunner – 1946 in Nürnberg zum Tode verurteilt und hingerichtet
Kontext: Planungszentrale des Holocaust
Das RSHA steuerte die Einsatzgruppen, die ab 1941 Hunderttausende Juden in der Sowjetunion erschossen. Heydrich lud im Januar 1942 zur Wannsee-Konferenz, auf der die Deportation der europäischen Juden in die Vernichtungslager koordiniert wurde. Adolf Eichmanns Referat im Amt IV organisierte die Transporte. Gestapo und SD wurden 1946 in Nürnberg zu verbrecherischen Organisationen erklärt.
Quellen und Literatur: RSHA-Akten, Nürnberger Prozessakten; Forschung u. a. von Michael Wildt („Generation des Unbedingten“), Peter Longerich, Helmut Krausnick.
Behörde für „rassenpolitische“ Begutachtung, Ehestandsprüfungen und Siedlungsprojekte.
Eintrag öffnen: RuSHA
Das Rasse- und Siedlungshauptamt der SS (RuSHA) prüfte die „Abstammung“ von SS-Männern und ihren Bräuten und genehmigte deren Heiraten. Im Krieg wurde es zu einem Instrument der Siedlungs- und „Germanisierungs“-Politik in den besetzten Gebieten.
Kontext: Rassenprüfungen und Kindesraub
„Eignungsprüfer“ des RuSHA begutachteten in Polen und der Sowjetunion Menschen nach rassistischen Kriterien und entschieden über Umsiedlung, Zwangsarbeit oder „Eindeutschung“. Sie wirkten auch an der Verschleppung von Kindern mit. Im Nürnberger RuSHA-Prozess (Fall 8) wurden 1948 leitende Angehörige verurteilt.
Quellen und Literatur: Forschung u. a. von Isabel Heinemann („Rasse, Siedlung, deutsches Blut“).
Ministerium für Eisenbahn, Wasserstraßen, Luft- und Straßenverkehr; zugleich Spitze der Deutschen Reichsbahn.
Eintrag öffnen: RVM
Das Reichsverkehrsministerium war für Eisenbahn, Wasserstraßen und Straßenverkehr zuständig. Minister Julius Dorpmüller (1937–1945) war zugleich Generaldirektor der Deutschen Reichsbahn, des größten Unternehmens im Reich.
Kontext: Deportationszüge
Die Reichsbahn fuhr die Deportationszüge in die Ghettos und Vernichtungslager und stellte sie wie Sonderfahrten für Reisegruppen in Rechnung. Staatssekretär Albert Ganzenmüller sagte der SS-Führung im Juli 1942 schriftlich Züge für die Deportationen aus Warschau nach Treblinka zu.
Quellen und Literatur: Forschung u. a. von Alfred Gottwaldt, Raul Hilberg („Sonderzüge nach Auschwitz“).
Wirtschaftslenkung, Preis- und Devisenaufsicht, Rohstoffbewirtschaftung.
Eintrag öffnen: RWM
Das Reichswirtschaftsministerium lenkte Industrie, Handel, Preise und Devisen. Mit dem Vierjahresplan ab 1936 und dem Rüstungsministerium ab 1940 verlor es an Gewicht, blieb aber bei der Verdrängung der Juden aus der Wirtschaft federführend.
Leitung
- 1934–1937: Hjalmar Schacht, kommissarisch, zugleich Reichsbankpräsident
- 1937–1938: Hermann Göring, kommissarisch
- 1938–1945: Walther Funk, ab 1939 auch Reichsbankpräsident
Kontext: „Arisierung“
Verordnungen des Ministeriums schlossen Juden 1938 aus dem Wirtschaftsleben aus und regelten den Zwangsverkauf ihrer Unternehmen. Funk wurde 1946 in Nürnberg zu lebenslanger Haft verurteilt, Schacht freigesprochen.
Paramilitärische Kampforganisation der NSDAP, zentrales Gewaltinstrument bei der „Machtergreifung“ 1933, nach der sogenannten Röhm-Affäre 1934 politisch entmachtet.
Eintrag öffnen: SA
Die Sturmabteilung (SA) war die älteste und bis 1934 mächtigste paramilitärische Organisation der NSDAP. Als uniformierte „Braunhemden“ prägte sie das Straßenbild der Weimarer Republik durch Aufmärsche, Saalschlachten und gezielte Gewalt gegen politische Gegner.
Auftrag & Aufgaben
- Straßenkampf und Saalschutz bei Parteiveranstaltungen
- Einschüchterung politischer Gegner, insbesondere von Sozialdemokraten und Kommunisten
- Ab Februar 1933 Einsatz als „Hilfspolizei“ bei Verhaftungen und in frühen, „wilden“ Lagern
Unterstellung & Organisation
Oberster SA-Führer war ab 1930 Hitler selbst, die laufende Führung lag beim Stabschef. Die SA gliederte sich in Gruppen, Brigaden, Standarten und Stürme und zählte 1934 mehrere Millionen Mitglieder.
Mit der Mordaktion vom 30. Juni bis 2. Juli 1934, von der Propaganda „Röhm-Putsch“ genannt, verlor die SA ihre Macht; die SS wurde selbstständig.
Führende Personen
- 1931–1934: Ernst Röhm – Stabschef, beim sogenannten Röhm-Putsch („Nacht der langen Messer“) 1934 auf Hitlers Befehl ermordet
- 1934–1943: Viktor Lutze – Nachfolger nach der Entmachtung der SA
- 1943–1945: Wilhelm Schepmann – letzter Stabschef
Wichtige Ereignisse
- Judenboykott vom 1. April 1933 – SA-Posten vor jüdischen Geschäften
- Novemberpogrome 1938 – SA-Einheiten an Zerstörungen und Übergriffen beteiligt
- Röhm-Putsch Juni/Juli 1934 – Entmachtung der SA-Führung
Kontext: Beteiligung an politischer Gewalt und Verfolgung
Die SA war 1933 maßgeblich am Terror gegen politische Gegner beteiligt – an Verhaftungen, Misshandlungen in frühen „wilden“ Lagern und am Judenboykott. Auch bei den Novemberpogromen 1938 traten SA-Einheiten gewalttätig in Erscheinung. Nach 1934 sank ihr politisches Gewicht drastisch, ihre frühe Gewaltpraxis bleibt jedoch zentraler Bestandteil der NS-Terrorgeschichte.
Quellen und Literatur: Umfangreiche Forschungsliteratur zur SA (u. a. Peter Longerich, Sven Reichardt), Prozessakten und zeitgenössische Presseberichte.
Führungsamt des Heeres-Sanitätswesens; verantwortlich für medizinische Organisation, Versorgung und Hygiene.
Eintrag öffnen: SanInsp
Die Sanitätsinspektion unterstand dem Chef des Wehrmachtsanitätswesens und regelte Lazarettwesen, Seuchenbekämpfung und medizinische Versorgung im Feld.
Zuständigkeiten
- Planung der Sanitätslogistik
- Führung von Ärzten, Sanitätseinheiten und Lazaretten
- Medizinische Forschung und Impfprogramme
Kontext: Medizinische Verbrechen
Siegfried Handloser, ab 1942 Heeressanitätsinspekteur und Chef des Wehrmachtsanitätswesens, wurde 1947 im Nürnberger Ärzteprozess wegen Menschenversuchen an KZ-Häftlingen und Kriegsgefangenen, etwa Fleckfieberversuchen, zu lebenslanger Haft verurteilt.
Planung, Lagerung und Verteilung von Sanitätsmaterial, Arzneien und Lazarettausstattung.
Eintrag öffnen: SanVers
Das Sanitätsversorgungswesen sicherte Nachschub an Medikamenten, Verbandstoffen und medizinischer Ausrüstung für Truppen- und Feldlazarette.
Geheimdienst der SS zur Beobachtung von Gegnern und Überwachung der Bevölkerung im In- und Ausland.
Eintrag öffnen: SD
Der Sicherheitsdienst (SD) war der Nachrichtendienst der SS. Reinhard Heydrich baute ihn ab 1931 auf, zunächst um Gegner und Abweichler in der eigenen Partei zu beobachten. 1934 wurde er einziger Nachrichtendienst der NSDAP.
Auftrag & Aufgaben
- Beobachtung und Analyse politischer und gesellschaftlicher Entwicklungen
- Erstellung von Lageberichten für SS-Führung und NSDAP
- Auslandsaufklärung und Spionagebekämpfung (ab 1939 im RSHA)
Leitung & Unterstellung
- 1931–1942: Reinhard Heydrich
- 1943–1945: Ernst Kaltenbrunner als Chef des RSHA; Amt III (SD-Inland) leitete Otto Ohlendorf, Amt VI (SD-Ausland) Walter Schellenberg
Ab 1939 bildete der SD die Ämter III und VI des RSHA.
Kontext: Überwachung und Mord
Die „Meldungen aus dem Reich“ des SD berichteten der Führung vertraulich über die Stimmung der Bevölkerung und sind heute eine wichtige Quelle. SD-Männer stellten einen großen Teil der Führer der Einsatzgruppen. Der SD wurde 1946 in Nürnberg zur verbrecherischen Organisation erklärt.
Quellen und Literatur: SD-Berichte, Organisationsakten, Prozessunterlagen, Forschung von Wildt, Longerich, Gellately.
Dachbegriff für Gestapo und Kriminalpolizei; ab 1939 organisatorisch im RSHA integriert.
Eintrag öffnen: SiPo
Sicherheitspolizei hieß ab 1936 der Zusammenschluss von Gestapo und Kriminalpolizei im Hauptamt Sicherheitspolizei unter Reinhard Heydrich. 1939 ging dieses Hauptamt im Reichssicherheitshauptamt auf. In den besetzten Gebieten traten Sicherheitspolizei und SD gemeinsam auf („Sipo und SD“).
1925 als Leibwache Hitlers gegründet, unter Himmler zur Elite- und Terrororganisation mit Polizei, Lagern und eigener Armee ausgebaut.
Eintrag öffnen: SS
Die Schutzstaffel (SS) entstand 1925 als Saalschutz und Leibwache Hitlers. Heinrich Himmler, ab 1929 Reichsführer-SS, machte aus ihr einen Orden mit rassistischen Aufnahmeregeln und schließlich einen Machtapparat, der Polizei, Konzentrationslager, Siedlungspolitik und eine eigene Armee umfasste.
Organisation
Nach der Entmachtung der SA im Juli 1934 wurde die SS eine selbstständige Gliederung der NSDAP. Sie bestand aus der ehrenamtlichen Allgemeinen SS, den KZ-Wachverbänden und der Waffen-SS. Geführt wurde sie über Hauptämter, darunter RSHA, SS-Hauptamt, SS-Führungshauptamt, WVHA, RuSHA und SS-Personalhauptamt.
Führung
- 1929–1945: Heinrich Himmler als Reichsführer-SS, ab 1936 zugleich Chef der Deutschen Polizei, ab 1943 Reichsinnenminister
Kontext: Hauptträger des Holocaust
Die SS betrieb die Konzentrations- und Vernichtungslager, stellte die Einsatzgruppen und organisierte die Deportationen. Der Internationale Militärgerichtshof erklärte sie 1946 zur verbrecherischen Organisation.
Quellen und Literatur: Forschung u. a. von Heinz Höhne, Bernd Wegner, Jan Erik Schulte, Peter Longerich (Himmler-Biografie).
Führungs- und Einsatzamt der Waffen-SS: Organisation, Ausbildung, Einsatzplanung und Truppenführung.
Eintrag öffnen: SS-FHA
Das SS-Führungshauptamt war für die militärische Organisation der Waffen-SS zuständig: Truppenaufstellung, Ausbildung, Gliederung, Einsatzplanung und Führungsvorschriften.
Auftrag & Aufgaben
- Aufstellung/Organisation der Waffen-SS-Verbände
- Ausbildung, Taktik, Führungsgrundsätze
- Personal- und Einsatzplanung in Koordination mit OKW/OKH
Leitung
- 1940–1945: Hans Jüttner, ab 1943 als Chef des SS-Führungshauptamts
Kontext: Waffen-SS als Kampftruppe
Das SS-FHA war das militärische Steuerungszentrum der Waffen-SS und band deren Verbände in die Gesamtkriegsführung ein.
Quellen und Literatur: Befehle/Gliederungen der Waffen-SS, Ausbildungsvorschriften, Einsatzberichte.
Zentrales Verwaltungsamt der SS für Organisation, Personal, Ausbildung und Verwaltung der SS-Gesamtstruktur.
Eintrag öffnen: SS-HA
Das SS-Hauptamt war die organisatorische Zentrale der SS. Es regelte Struktur, Verwaltung, Personalfragen und Ausbildung und koordinierte die allgemeine SS mit angeschlossenen Verbänden.
Auftrag & Aufgaben
- Organisations- und Personalwesen der SS
- Ausbildungsvorschriften und Schulen
- Verwaltung, Haushalts- und Disziplinarangelegenheiten
Unterstellung & Organisation
Direkt dem Reichsführer-SS nachgeordnet; Abteilungen u. a. für Organisation, Personal, Ausbildung, Verwaltung.
Leitung
- u. a. Gottlob Berger (führende Funktion im SS-HA)
Kontext: Knotenpunkt der SS-Organisation
Als Verwaltungszentrale verband das SS-HA Personalpolitik, Ausbildung und Strukturentwicklung der SS und koordinierte mit anderen SS-Hauptämtern.
Quellen und Literatur: Organisationspläne, Personalakten, Befehle; Forschung zur SS-Administration.
Führungs- und Offiziersschulen der SS zur Ausbildung des Führungsnachwuchses (Allgemeine SS/Waffen-SS).
Eintrag öffnen: SS-JS
Die SS-Junkerschulen (u. a. Bad Tölz, Braunschweig) vermittelten ideologisch geprägte Führungs- und Gefechtsausbildung für SS-Offiziersanwärter.
Personalführung der SS: Laufbahnen, Beförderungen, Beurteilungen und Versetzungen.
Eintrag öffnen: SS-PersHA
Bearbeitete sämtliche Personalangelegenheiten von Führern und Unterführern der SS, inkl. Aktenführung und Auswahlverfahren.
Verbände der SS zur Bewachung von Konzentrationslagern und später als militärische Einheit im Fronteinsatz.
Eintrag öffnen: SS-TV
Die SS-Totenkopfverbände (SS-TV) stellten die Wachmannschaften der Konzentrationslager. Theodor Eicke formte sie ab 1934 als Inspekteur der Lager, den Namen trugen sie ab 1936. Aus ihnen ging im Herbst 1939 die Division „Totenkopf“ der Waffen-SS hervor.
Auftrag & Aufgaben
- Bewachung und Verwaltung der Konzentrationslager
- Ausbildung von SS-Personal für Lagerdienst und Fronteinsatz
- Bildung militärischer Einheiten der Waffen-SS ab 1939
Leitung & Struktur
- 1934–1939: Theodor Eicke – Inspekteur der Konzentrationslager und Führer der SS-Wachverbände, danach Kommandeur der Division „Totenkopf“
- ab November 1939: Richard Glücks – Inspekteur der Konzentrationslager, ab 1942 Amtsgruppe D im WVHA
Kontext: Personal des KZ-Systems
Die Totenkopfverbände prägten den Terror in den Lagern. Männer aus dem Lagerdienst und der Division wechselten während des Krieges vielfach hin und her. Als Teil der SS fielen sie unter das Nürnberger Urteil von 1946, das die SS zur verbrecherischen Organisation erklärte.
Quellen und Literatur: SS-Akten, Prozessunterlagen, Berichte der Alliierten, Forschung von Wachsmann, Orth, Pohl.
Innerparteiliche Gerichtsbarkeit: 1926 als „Untersuchungs- und Schlichtungsausschuss“ gegründet, ab 1934 Parteigerichte unter dem Obersten Parteigericht.
Eintrag öffnen: Uschla / OPG
Die Parteigerichte der NSDAP urteilten über Verstöße von Parteimitgliedern. Sie gingen 1934 aus dem „Untersuchungs- und Schlichtungsausschuss“ (Uschla) hervor. Es gab Orts-, Kreis- und Gaugerichte, an der Spitze das Oberste Parteigericht in München.
Aufgaben
- Verfahren wegen „parteischädigenden Verhaltens“
- Verwarnungen, Aberkennung von Ämtern und Parteiausschluss
- Schlichtung von Streitigkeiten zwischen Funktionären
Leitung
- 1927–1945: Walter Buch, Vorsitzender des Uschla, ab 1934 Oberster Parteirichter
Kontext
Nach den Novemberpogromen 1938 verhandelte das Oberste Parteigericht die Morde an Juden durch Parteimitglieder und stellte die meisten Verfahren ein oder verhängte nur leichte Strafen. Morde „aus weltanschaulichen Gründen“ galten der Partei nicht als ahndungswürdig.
Quellen und Literatur: Forschung u. a. von Donald McKale („The Nazi Party Courts“).
1934 geschaffenes Sondergericht für „politische“ Straftaten wie Hochverrat, ohne Berufungsmöglichkeit – zentrales Terrorinstrument der NS-Justiz.
Eintrag öffnen: VGH
Der Volksgerichtshof (VGH) wurde im April 1934 für Hoch- und Landesverrat geschaffen, nachdem das Reichsgericht im Reichstagsbrandprozess vier der Angeklagten freigesprochen hatte. Gegen seine Urteile gab es kein Rechtsmittel. Er verhängte mehr als 5.000 Todesurteile.
Auftrag & Aufgaben
- Aburteilung von Hoch- und Landesverrat sowie „Wehrkraftzersetzung“
- Verhandlung politischer Prozesse gegen Widerstandskämpfer
- Verhängung zahlreicher Todesurteile in oft schauprozessartigen Verfahren
Unterstellung & Organisation
Formal dem Reichsjustizministerium zugeordnet, war der VGH faktisch ein politisch gelenktes Instrument mit direktem Einfluss der NS-Führung auf Verfahren und Urteile.
Sitz war Berlin, ab 1943 auch Ausweichsitze außerhalb der Stadt.
Führende Präsidenten
- 1936–1942: Otto Georg Thierack, danach Reichsjustizminister
- 1942–1945: Roland Freisler – demütigte Angeklagte in den Verhandlungen, im Februar 1945 bei einem Luftangriff getötet
Bekannte Verfahren
- Prozess gegen die Geschwister Scholl und die „Weiße Rose“, 1943
- Prozesse gegen Attentäter des 20. Juli 1944
Kontext: Unrechtsjustiz
Der Bundestag stellte 1985 fest, dass der Volksgerichtshof kein Gericht im rechtsstaatlichen Sinn, sondern ein Terrorinstrument war. Mit dem NS-Aufhebungsgesetz von 1998 wurden seine Urteile aufgehoben. Kein Richter des VGH wurde in der Bundesrepublik rechtskräftig verurteilt.
Quellen und Literatur: Forschung u. a. von Walter Wagner („Der Volksgerichtshof im nationalsozialistischen Staat“), Holger Schlüter, Ingo Müller.
1936 unter Hermann Göring geschaffene Wirtschaftsbehörde zur Kriegsvorbereitung, überlagerte faktisch das reguläre Wirtschaftsministerium.
Eintrag öffnen: Vierjahresplanbehörde
Die Behörde des Beauftragten für den Vierjahresplan wurde 1936 unter Hermann Göring geschaffen, um die deutsche Wirtschaft binnen vier Jahren „kriegsfähig“ zu machen. Sie erhielt weitreichende Vollmachten, die weit über das reguläre Wirtschaftsministerium hinausgingen.
Auftrag & Aufgaben
- Steuerung der Autarkiepolitik (Rohstoffe, Ersatzstoffe, Devisen)
- Koordination der Rüstungswirtschaft im Vorfeld des Krieges
- Lenkung wirtschaftlicher Maßnahmen, darunter auch die sogenannte „Arisierung“ jüdischen Eigentums
Unterstellung & Organisation
Göring war als Beauftragter direkt Hitler unterstellt und erhielt Weisungsbefugnis gegenüber anderen Ministerien, darunter dem Reichswirtschaftsministerium.
Führende Person
- Hermann Göring – Beauftragter für den Vierjahresplan 1936–1945
Kontext: Ausplünderung und Zwangsarbeit
Göring erließ als Beauftragter für den Vierjahresplan nach den Novemberpogromen die Verordnungen zur Ausschaltung der Juden aus der Wirtschaft. Am 31. Juli 1941 beauftragte er Heydrich, eine „Gesamtlösung der Judenfrage“ vorzubereiten. Im Krieg organisierte die Behörde die wirtschaftliche Ausbeutung der besetzten Gebiete mit.
Quellen und Literatur: Wirtschaftsgeschichtliche Forschungsliteratur zum Nationalsozialismus (u. a. Adam Tooze, „Ökonomie der Zerstörung“).
Letzte militärische Reserveorganisation des NS-Staates zur Verteidigung des Reichs im Endstadium des Krieges.
Eintrag öffnen: Volkssturm
Der Deutsche Volkssturm wurde per Führererlass vom 25. September 1944 gebildet und am 18. Oktober 1944 öffentlich verkündet. Er sollte alle „waffenfähigen“ Männer zwischen 16 und 60 Jahren erfassen, die nicht schon Soldat waren.
Auftrag & Aufgaben
- Verteidigung des Reichsgebiets gegen die vorrückenden Alliierten
- Bewachung von Brücken, Nachschubwegen und Schlüsselstellungen
- Schaffung einer „letzten Verteidigungsfront“ im Inneren
Unterstellung & Organisation
Aufstellung, Führung und politische Ausrichtung lagen bei der NSDAP: Martin Bormann steuerte über die Parteikanzlei, die Gauleiter stellten die Bataillone auf. Für Ausbildung und Bewaffnung war Heinrich Himmler als Befehlshaber des Ersatzheeres zuständig. Im Kampf unterstanden die Einheiten der Wehrmacht. Uniformen und Waffen fehlten oft; viele trugen nur eine Armbinde.
Führende Funktionäre
- Martin Bormann – Organisation über die Parteikanzlei
- Heinrich Himmler – militärische Ausbildung und Bewaffnung
- Gauleiter – Aufstellung der Bataillone in ihren Gauen
Einsatzgebiete & Realität
- Verteidigung der Städte Berlin, Breslau, Königsberg und Wien
- Uneinheitlicher Einsatz; vielfach Zusammenbruch ohne Gefechte
- Symbol einer zusammenbrechenden Diktatur – propagandistisch überhöht
Kontext: Propaganda und Opfer
Goebbels’ Propaganda stellte den Volkssturm als letztes Aufgebot der „Volksgemeinschaft“ dar. Militärisch änderte er wenig. Schlecht ausgebildete Jugendliche und ältere Männer wurden in aussichtslose Kämpfe geschickt, besonders in Ostpreußen, Schlesien und Berlin; Zehntausende kamen ums Leben.
Quellen und Literatur: Forschung u. a. von Klaus Mammach („Der Volkssturm“), David K. Yelton („Hitler’s Volkssturm“).
Entwicklungs- und Erprobungsabteilungen des Heereswaffenamts für Waffen, Fahrzeuge und Gerät.
Eintrag öffnen: Wa Prüf
Die Amtsgruppe Entwicklung und Prüfung (Wa Prüf) im Heereswaffenamt vergab Entwicklungsaufträge an die Industrie und erprobte Waffen, Munition, Panzer und Gerät auf eigenen Versuchsstellen, etwa in Kummersdorf. Die Raketenentwicklung in Peenemünde gehörte ebenfalls zu ihrem Bereich.
Waffen-SS
Bewaffneter Teil der SS, im Krieg auf 38 Divisionen angewachsen; kämpfte an der Seite der Wehrmacht und beging zahlreiche Verbrechen.
Eintrag öffnen: Waffen-SS
Die Waffen-SS ging aus den bewaffneten Verfügungstruppen und Leibstandarten der SS hervor; den Namen trug sie ab 1940. Aus wenigen Regimentern wuchs sie bis 1945 auf 38 Divisionen; insgesamt dienten rund 900.000 Männer in ihr, darunter viele Freiwillige und Zwangsrekrutierte aus besetzten und verbündeten Ländern.
Unterstellung & Organisation
Die Waffen-SS unterstand Heinrich Himmler als Reichsführer-SS; organisatorisch führte sie das SS-Führungshauptamt. Im Einsatz waren ihre Verbände den Kommandobehörden des Heeres taktisch unterstellt.
Bekannte Verbände
- Leibstandarte SS Adolf Hitler, „Das Reich“, „Totenkopf“, „Wiking“
- „Hitlerjugend“ (1943 aus Jahrgang 1926 aufgestellt)
- SS-Sonderregiment Dirlewanger
Kontext: Verbrechen
Einheiten der Waffen-SS verübten Massaker an Kriegsgefangenen und Zivilisten, darunter Le Paradis und Wormhout 1940, Oradour-sur-Glane und Malmedy 1944. Brigaden der Waffen-SS mordeten 1941 in der Sowjetunion an der Seite der Einsatzgruppen, und KZ-Wachpersonal wurde ab 1940 der Waffen-SS zugerechnet. In Nürnberg fiel sie 1946 unter das Urteil gegen die SS; ausgenommen waren nur Zwangseingezogene ohne eigene Tatbeteiligung.
Quellen und Literatur: Forschung u. a. von Bernd Wegner („Hitlers politische Soldaten“), Jean-Luc Leleu, Jochen Lehnhardt.
Spezialeinheit für Geländeanalyse, Bodenbewertung und Baugrunduntersuchung.
Eintrag öffnen: WehrGeo
Der Wehrgeologische Dienst untersuchte Boden- und Felsbeschaffenheiten für Befestigungen, Stellungen und Wasserversorgung.
Meteorologischer Dienst zur Wetterbeobachtung, Flug- und Seevorhersage.
Eintrag öffnen: Wetterdienst
Der Wehrmachtswetterdienst sammelte und analysierte meteorologische Daten, unterstützte Luftwaffe, Marine und Heer bei Einsatzplanung und Navigation.
Koordination von Wehrwirtschaft, Rohstoffen und Rüstungsbedarf auf Ebene des OKW.
Eintrag öffnen: WiRüAmt
Das Wehrwirtschafts- und Rüstungsamt im OKW koordinierte Bedarfe der Wehrmacht mit Rohstoffen, Industrieproduktion und Transportkapazitäten der Kriegswirtschaft.
Auftrag & Aufgaben
- Wehrwirtschaftliche Planung & Bedarfsdeckung
- Rohstofflenkung, Prioritäten, Transportkoordination
- Abstimmung mit Rüstungsministerium und Teilstreitkräften
Unterstellung & Organisation
Bestandteil des OKW; Referate für Rohstoffe, Produktion, Verkehr/Logistik, Bedarfsplanung.
Leitung
- u. a. Georg Thomas (General der Wehrwirtschaft)
Kontext: Wirtschaftsplanung für den Osten
Aus dem Umfeld des Amtes kam der Wirtschaftsstab Ost, der 1941 die Ausplünderung der besetzten sowjetischen Gebiete organisierte. Die Planungen nahmen den Hungertod von Millionen Menschen bewusst in Kauf. 1942 ging der Rüstungsteil an das Ministerium Speer über; Georg Thomas wurde 1943 abgelöst und nach dem 20. Juli 1944 inhaftiert.
Quellen und Literatur: OKW-Akten, Wehrwirtschaftsberichte, Ministerialkorrespondenz, Forschung zu Kriegswirtschaft/Logistik.
Militärisches Justizsystem für Disziplinar- und Strafverfahren innerhalb der Streitkräfte.
Eintrag öffnen: WMG
Die Wehrmachtgerichtsbarkeit urteilte über Straftaten von Soldaten und, in besetzten Gebieten, auch über Zivilisten. Es gab Gerichte bei den Divisionen und höheren Kommandobehörden; oberstes Gericht war das Reichskriegsgericht. Gegen Kriegsende kamen Standgerichte hinzu.
Kontext: Todesurteile und Rehabilitierung
Wehrmachtrichter verhängten nach heutigen Schätzungen rund 30.000 Todesurteile, vor allem wegen Fahnenflucht und „Wehrkraftzersetzung“; etwa 20.000 wurden vollstreckt. Der Bundestag hob die Urteile gegen Deserteure 2002 und die wegen „Kriegsverrats“ 2009 pauschal auf.
Quellen und Literatur: Forschung u. a. von Manfred Messerschmidt, Fritz Wüllner, Wolfram Wette.
Propagandaabteilung des OKW; führte die Propagandakompanien und stimmte sich mit dem Propagandaministerium ab.
Eintrag öffnen: WPr
Die Abteilung Wehrmachtpropaganda (WPr) im OKW, ab 1939 unter Oberst, später General Hasso von Wedel, führte die Propagandakompanien, zensierte deren Material und arbeitete mit dem Propagandaministerium zusammen. Dazu kam die Propaganda gegenüber gegnerischen Truppen und in besetzten Ländern.
Hauptamt der SS für Finanzen, Verwaltung, Bauwesen und das KZ-Wirtschafts-/Lagersystem (Amtsgruppe D).
Eintrag öffnen: WVHA
Das SS-Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt (WVHA) entstand im Februar 1942 unter Oswald Pohl. Es bündelte Haushalt, Bauwesen und die Wirtschaftsbetriebe der SS; im März 1942 wurde die Inspektion der Konzentrationslager als Amtsgruppe D eingegliedert.
Auftrag & Aufgaben
- Haushalt, Finanzen, Beschaffung, Bauwesen
- Verwaltung der SS-Unternehmen
- KZ-Organisation (Amtsgruppe D: Inspektion/Verwaltung der Lager)
Leitung
- Oswald Pohl (Chef WVHA)
- Richard Glücks (Amtsgruppe D – Lagerinspektion)
Kontext: Zwangsarbeit und Vernichtung
Das WVHA vermietete KZ-Häftlinge an Rüstungsbetriebe und ließ Hunderte Außenlager errichten; Tausende starben an Hunger, Gewalt und Erschöpfung. Die Amtsgruppe C baute auch Krematorien und Gaskammern. Pohl wurde 1947 im WVHA-Prozess zum Tode verurteilt und 1951 hingerichtet.
Quellen und Literatur: WVHA-Akten, Prozessakten des Nürnberger WVHA-Prozesses (Fall 4); Forschung u. a. von Jan Erik Schulte, Karin Orth, Marc Buggeln.
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Häufige Fragen zum Aufbau des NS-Staates
Wie war der NS-Staat aufgebaut?
Neben den fortbestehenden Ministerien standen die NSDAP mit ihren Gliederungen, der Apparat von SS und Polizei unter Heinrich Himmler, die Wehrmacht und Sonderbehörden wie der Beauftragte für den Vierjahresplan oder die Organisation Todt. Diese Machtzentren konkurrierten miteinander; die letzte Entscheidung lag bei Hitler. Die Forschung beschreibt das als „Polykratie“ oder, nach Ernst Fraenkel, als „Doppelstaat“ aus Normen- und Maßnahmenstaat.
Was ist der Unterschied zwischen OKW, OKH, OKM und OKL?
Das Oberkommando der Wehrmacht (OKW) war Hitlers militärischer Stab und koordinierte die Teilstreitkräfte. Heer, Kriegsmarine und Luftwaffe hatten eigene Oberkommandos: OKH, OKM und OKL. Ab 1942 führte das OKH nur noch die Ostfront, das OKW die übrigen Kriegsschauplätze.
Wie unterschieden sich Wehrmacht und SS?
Die Wehrmacht war die staatliche Armee. Die SS begann als Parteiorganisation und wurde unter Himmler zu einem eigenen Machtapparat mit Polizei, Geheimdienst, Konzentrationslagern und der Waffen-SS. Beide waren an Kriegsverbrechen und am Holocaust beteiligt, in unterschiedlichem Umfang und in unterschiedlichen Rollen.
Welche Organisationen wurden in Nürnberg für verbrecherisch erklärt?
Der Internationale Militärgerichtshof erklärte 1946 das Korps der Politischen Leiter der NSDAP, die Gestapo, den SD und die SS zu verbrecherischen Organisationen. SA, Reichsregierung sowie Generalstab und OKW wurden nicht als Organisationen verurteilt; einzelne Angehörige wurden trotzdem angeklagt und bestraft.
Wo finde ich Unterlagen zu einer Person aus dieser Zeit?
Personalunterlagen von Wehrmachtsangehörigen, Parteimitgliedern und SS-Angehörigen verwahrt vor allem das Bundesarchiv; die Unterlagen der früheren Deutschen Dienststelle (WASt) gehören seit 2019 dazu. Zu Verfolgten helfen die Arolsen Archives. Dienstgrade in den Dokumenten erklärt das Lexikon Rang & Ruf.
Quellen und Korrekturen
Die Einträge beruhen auf zeitgenössischen Akten, Prozessunterlagen der Nürnberger Verfahren und der historischen Forschung; Literaturangaben stehen am Ende jedes Eintrags. Für eigene Recherchen empfehlen sich das Bundesarchiv, das Institut für Zeitgeschichte und die Arolsen Archives.
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Die vier Lexika zum Zweiten Weltkrieg
„Befehl & Bereitschaft“ erklärt Behörden und Befehlswege. Drei weitere Lexika helfen bei Rängen, Uniformen und dem Aufbau der Truppe.

