D-Day aus deutscher Sicht: Paul Golz an den Stränden der Normandie

Die letzten Zeugen

Die letzten deutschen Zeitzeugen des Zweiten Weltkriegs – aus den Interviews von Dr. Christian Hardinghaus

Zeuge Nr. 01

D-Day aus deutscher Sicht: Paul Golz an den Stränden der Normandie

Am 6. Juni 1944 lag er als 18-jähriger MG-Schütze in den Hecken hinter Utah Beach. Siebzig Jahre später stand er bei den D-Day-Feierlichkeiten neben Barack Obama – als einer der allerletzten deutschen Veteranen, die dabei gewesen waren.

Paul Golz als junger Wehrmachtsoldat im Frühjahr 1944
Paul Golz im Frühjahr 1944, kurz vor seiner Verlegung in die Normandie

Was er erlebt hat

Paul wuchs auf einem Bauernhof in Pommern auf. Sein Vater, selbst Soldat im Ersten Weltkrieg, gab ihm eine Regel mit: Schieß niemals auf einen unbewaffneten Menschen, egal was passiert. 1943 wurde Paul eingezogen, lag mit Diphtherie und Scharlach im Lazarett, während seine Ausbildungskompanie an die Ostfront ging – und stand im Mai 1944 mit der 91. Infanterie-Division auf der Halbinsel Cotentin, wo alle die Invasion erwarteten.

Als sie kam, sah Paul Tausende Fallschirmjäger vom Nachthimmel fallen. Stunden später ergab sich ihm bei Sainte-Mère-Église ein verängstigter Amerikaner mit einer weißen Socke am Gewehr. Noch am selben Tag stand Paul vor einer viel härteren Prüfung: Ein Kamerad zog sein Messer, um einem toten GI den Ring vom Finger zu schneiden.

„Ich dachte an meinen Vater, wie der sich aufgeregt hätte über eine solche Leichenschändung. […] Ich legte meinen Karabiner an und bedrohte meinen Kameraden, schrie ihn an: Wenn du das machst, erschieße ich dich.“— Paul Golz (1925–2021)

Was Paul im Buch noch erzählt

  • Wie ein einziger Sherman-Panzer seinen Krieg beendete – und warum sein Kamerad sie beinahe alle umgebracht hätte
  • Der Moment am Omaha Beach, in dem er wusste, dass Deutschland den Krieg verloren hatte
  • Die Überfahrt auf der Queen Mary und seine erste Coca-Cola im amerikanischen Kriegsgefangenenlager
  • Was er 1947 über das Schicksal seiner Familie erfuhr – und was er Obama, Trump und der Queen in der Normandie sagte

Warum diese Stimmen wichtig sind: Paul kämpfte für ein verbrecherisches Regime, das diesen Krieg begonnen hatte. Sein Bericht entschuldigt das nicht – er zeigt, wie ein gewöhnlicher 18-Jähriger einen der entscheidenden Tage des 20. Jahrhunderts erlebte und was er daraus mitnahm: „Wir müssen mit den Amerikanern und Engländern in Frieden leben.“

Buchcover: Die verdammte Generation von Christian Hardinghaus
Pauls ganze Geschichte in „Die verdammte Generation“

Paul ist einer von 13 Wehrmachtsveteranen, die ich interviewt habe, bevor sie starben – von Stalingrad und Leningrad über das Afrikakorps bis zum Fall Berlins. Ihre letzten Zeugnisse, mit ihren Fotos aus der Kriegszeit.

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